Redaktion
TopThemen
Fonds
Fondsvergleich Märkte Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter
Symbolik zum chinesischen Neujahrsfest: Das Jahr des glücklichen Schweines dauert bis zum 24. Januar 2020.  | © Getty Images

Chinesisches Neujahr Die Symbolik im Jahr des Schweines

Chetan Sehgal, Strategiechef bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity

Der astrologische Zyklus der Chinesen endet traditionell mit dem Jahr des Schweines. Das Jahr trifft mit den Sorgen mancher Beobachter zusammen, dass der aktuelle weltweite Konjunkturzyklus an sein Ende gelangt.

Wir teilen diese Sichtweise nicht. Ungeachtet einiger Anzeichen für langsameres weltweites Wachstum insbesondere in China gibt es für den aktuellen Konjunkturzyklus aus unserer Sicht durchaus noch Spielraum.

Nach Jahren ungestümen Wachstums steht China nun vor mehreren Herausforderungen, die seine Dynamik belasten könnten, denn die Handelsspannungen kollidieren mit den Bemühungen um die Neuausrichtung seiner Wirtschaft. Aufgrund der Wachstumsverlangsamung könnte es aus unserer Sicht zu einer größeren Streuung bei den Unternehmensgewinnen kommen, die an allen Märkten letztlich die Spreu vom Weizen trennen wird.

Auf kurze Sicht sind wir zurückhaltend. Wir rechnen nicht mit einer harten Landung, denn aus unserer Sicht sorgt das staatlich gelenkte System Chinas für ausreichend Vertrauen in seine Handlungsfähigkeit. Bisher ist China imstande, Wirtschaftswachstum und Strukturreformen abzustimmen.

Das Schwein als Zeichen des Wohlstands

In den vergangenen Jahren dürfte das Anwachsen der Mittelschicht der einflussreichste Faktor in den Schwellenländern gewesen sein, auf dem das Wachstum in diesen Ländern zu einem Großteil basiert. Wir erwarten, dass die steigende Nachfrage beim Binnenkonsum 2019 die Schwellenländer gegenüber Belastungen von außen weniger anfällig macht.

Die wachsende Mittelschicht und der zunehmende Wohlstand dürften auf mittlere bis lange Sicht auch die Nachfrage nach High-End-Produkten in den Schwellenländern ankurbeln. Wir sind davon überzeugt, dass stark positionierte Unternehmen mit Premiummarken und erstklassigen Produkten in den kommenden Jahren ein nachhaltiges und über dem Branchendurchschnitt liegendes Wachstum erzielen werden.

Besonders beeindruckend ist eine neue Generation von Mega-Unternehmen, deren Erfolg sich auf konsumorientierte Innovation gründet. Sie sind stark an den Bedürfnissen einer wachsenden, ausgabenfreudigen Mittelschicht ausgerichtet und setzen ihr Know-how für die Erfüllung dieser Bedürfnisse ein. Hyperwettbewerbsfähige Unternehmen haben etablierte Geschäftsmodelle übersprungen und ihre Mitbewerber aus den Developed Markets in vielen Fällen überholt.

Neue industrielle Revolution

Alte Überlieferungen über die Entstehung des chinesischen Tierkreises machen die Faulheit des Schweines für seinen letzten Platz im astrologischen Zyklus verantwortlich. Heute stellen chinesische Astrologen eher den Fleiß und die Beharrlichkeit des Schweines bei der Lösung von Aufgaben heraus.

Beim Blick auf die Investmentlandschaft am Übergang zum Jahr des Schweines fällt deutlich der wachsende Fleiß von Schwellenländerunternehmen auf. Häufig binden sie neue Technologien in ihre Geschäftsmodelle ein. Diese werden von Schwellenländern bevorzugt angenommen, weil die vorhandene Infrastruktur noch deutlich ausgebaut werden kann.

China ist mittlerweile in mehreren Branchen ein beachtenswerter Innovator. So haben rasche Verbesserungen bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien das Land zum weltgrößten Markt für Elektrofahrzeuge gemacht. Der Fortschritt Chinas in der Automobilbranche ist teilweise auf das Bestreben der Regierung zurückzuführen, das Land zur weltweiten Nummer 1 bei grüner Energie zu machen. 2017 versprach die chinesische Regierung Investitionen von 360 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien bis 2020 und verwarf ihre Pläne zum Bau von Kohlekraftwerken.

Seitdem haben die chinesischen Behörden die offiziellen Ziele für saubere Energiequellen bereits übertroffen. Nach unserer Ansicht fügt sich der Kampf gegen die Umweltverschmutzung durch die Herstellung der nächsten Generation intelligenter Autos in die breitere Strategie Chinas ein, die Führung bei Innovationen zu übernehmen.

In der chinesischen Pharmabranche führte die staatliche Politik, die Entwicklung neuer Arzneimittel gegenüber Generika zu bevorzugen, zu einer Steigerung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Unternehmen. Dies könnte den Grundstein für eine Pipeline bahnbrechender Therapien chinesischer Arzneimittelhersteller legen.

Die „New Economy“ Chinas ist speziell auf Technologie und Konsum ausgerichtet. Nach einem rasanten Wachstum in den vergangenen 20 Jahren ist der chinesische Konsumsektor mittlerweile der zweitgrößte der Welt – und der Aufwärtstrend dürfte sich fortsetzen.

Fazit: Verhaltener Optimismus

Unserer Ansicht nach werden die langfristigen Aussichten für China stark davon abhängen, wie das Land mit seinen Herausforderungen umgeht. Es gibt systemische Spannungen, mit denen sich die Regierung auseinandersetzen muss. Sollten die chinesischen Bemühungen um eine Neuausrichtung der Wirtschaft zu stabilen und nachhaltigen Strukturen führen, dürfte das Land auch in den kommenden Jahrzehnten ein wesentlicher Wachstumstreiber für die Schwellenländer bleiben.

nach oben