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Gebäude der Börse in New York: Das Anleihen-Kernportfolio wird gegen Ende des Konjunkturzyklus zentral für die Erträge. | © Getty Images

Gegen Ende des Konjunkturzyklus Stabilität durch Anleihen

Die Zeiten sehr niedriger Anleihenrenditen scheinen vorbei zu sein. „Höhere US- Zinsen könnten die Asset-Klasse wieder interessanter machen“, sagt Mike Gitlin, Head of Fixed Income bei Capital Group. Core-Strategien, mit denen Fondsmanager in höherwertige Titel investieren und exzessive Kreditrisiken meiden, sind Gitlin zufolge wieder eine interessante Ergänzung zu dividendenstarken Aktien. Mischfonds eignen sich für Investoren, die alles aus einer Hand wünschen, die laufenden Erträge von Aktien und die von Anleihen.

Stabilität im Portfolio

„Das Anleihen-Portfolio ist zu jeder Zeit wichtig, doch gegen Ende des Konjunkturzyklus ist es mitunter zentral für die Erträge. Hier sollte man über Anleihen nachdenken, die für eine gewisse Stabilität, laufende Erträge und Diversifikation der Aktienanlagen sorgen können“, sagt Gitlin.

Bei der Auswahl von Anleihen stand bisher das Zinsrisiko im Vordergrund, aber das Kreditrisiko sei auch wichtig, so Gitlin. Die Kurzfristrenditen sind recht attraktiv geworden: Ende 2017 lag die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen erstmals seit fast zehn Jahren über der Dividendenrendite des Standard & Poor’s 500 Index. Ende 2018 lag die zweijährige Staatsanleihenrendite einen Prozentpunkt höher als die Dividendenrendite des S&P 500.

Kreditrisiko beachten

Aber natürlich sollten Investoren auch immer die Risiken im Blick halten. Die Aussicht auf steigende Renditen bei noch höheren Leitzinsen irritiert manche Investoren. Gitlin schätzt die aktuelle Lage wie folgt ein: „2018 lag die US-Arbeitslosenquote meist bei etwa 4 Prozent, und die Inflation war zuletzt schwächer als allgemein erwartet. Ende 2018 sprachen die impliziten Markterwartungen für einen einzigen Zinsschritt im Jahr 2019. Allerdings waren die Erwartungen nicht sehr stabil.“

Entscheidend ist aber, dass die kurzfristigen US-Staatsanleihenrenditen bereits stark gestiegen sind. Ganz anders sieht es bei Credits aus. Die Spreads, also der Renditeabstand zwischen Credits und Staatsanleihen, sind im Vergleich mit der Vergangenheit noch immer eng. Anleiheninvestoren bekommen für das Kreditrisiko daher nur einen eher kleinen Ausgleich, und das Ertragspotenzial hält sich in Grenzen. „Wenn die Leitzinsen angehoben werden, machen sich Investoren vor allem über Zinsrisiken Gedanken. Allerdings sind die Staatsanleihenrenditen schon gestiegen, während die Credit Spreads noch sehr eng sind. Solange die Bewertungen nicht attraktiver werden, ist bei Credits eine gewisse Vorsicht angeraten“, so Gitlin.

Den US-Unternehmen geht es gut, aber der Konjunkturzyklus ist in die Jahre gekommen, und die Schulden steigen. Fast 50 Prozent der Investmentgrade-Unternehmensanleihen haben ein BBB-Rating. Solange die Bewertungen nicht zurückgehen, ist wohl keine gute Zeit für zu hohe Kreditrisiken.

Anleihen aus Schwellenländern bieten Chancen

Abgestrafte Emerging-Market-Anleihen können eine weitere Chance für Anleger sein, die langfristig orientiert sind. In den vergangenen sieben bis acht Jahren sind die Erträge von Lokalwährungsanleihen hinter denen von US-Dollar-Anleihen zurückgeblieben. Offensichtlich bieten Lokalwährungsanleihen heute mehr Chancen und günstigere Bewertungen. „Investoren müssen aber aufpassen, dass sie nicht in scheinbar günstig bewertete Währungen investieren, die weiter fallen – weil sie aufgrund ungelöster Probleme weiter abwerten“, warnt Gitlin.

So stehen beispielsweise die Währungen und Volkswirtschaften der „BRATS“ (Brasilien, Russland, Argentinien, Türkei und Südafrika) zurzeit unter starkem Druck. Zusammen sind diese Länder fast für die gesamte Abwertung der Emerging-Market-Währungen gegenüber dem US-Dollar in diesem Jahr verantwortlich. „Die übrigen 14 Währungen des Lokalwährungs-Anleihenindex haben während der letzten Schwächephase hingegen kaum gegenüber dem US-Dollar abgewertet“, beobachtet Gitlin.

Hinzu kommt, dass die BRATS-Währungen zwar schwach gegenüber dem US-Dollar, aber stabil gegenüber dem Euro sind. „Dies spricht dafür, dass wir es eher mit einer US-Dollar-Stärke als mit einer Schwäche der Emerging-Market-Währungen zu tun haben. Dies weckt Zweifel an der gängigen Annahme, dass sich Investoren gerade in großem Umfang von Emerging-Market- Anleihen trennen“, so Gitlin weiter.

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