Invesco zur Lage an den Finanzmärkten Gute Stimmung trotz politischer Risiken

Chinas Präsident Xi Jinping ist entschlossen, dem Druck der USA im Handelskonflikt nicht klein beizugeben. | © Getty Images

Chinas Präsident Xi Jinping ist entschlossen, dem Druck der USA im Handelskonflikt nicht klein beizugeben. Foto: Getty Images

Das Unterhaus hat den Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May abgeschmettert. Eigentlich sollte die Abstimmung bereits im Dezember stattfinden. Da absehbar war, dass May nicht genug Stimmen für ihre Pläne erhält, wurde die Abstimmung jedoch damals vertagt. Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) ohne Anschlussabkommen ist trotz des Scheiterns des Brexit-Deals im Unterhaus inzwischen weniger wahrscheinlich als noch vor einigen Monaten. Das britische Parlament hat kürzlich zwei Gesetze verabschiedet, durch die die Regierung bei einem solchen Szenario abgestraft würde.

Zudem wird das eigentliche Austrittsdatum Großbritanniens aus der EU am 29. März 2019 möglicherweise verschoben. Auch das würde helfen, einen Brexit ohne Abkommen zu verhindern. Was also käme auf Großbritannien zu, falls das Austrittsdatum verschoben wird? Denkbar ist eine „Lösung von der Stange“ – in Anlehnung an Norwegens Beziehung zur EU. Auch könnte ein zweites Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens durchgeführt werden.

Shutdown in den USA blockiert Wirtschaft

Neben den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU beeinflusst derweil auch die politische Situation in den USA die Finanzmärkte. Dort ist ein Viertel der Behörden aufgrund der fehlenden Finanzierung seitens der Regierung seit über drei Wochen geschlossen. Es handelt sich um den längsten Shutdown in der Geschichte des Landes – und noch ist kein Ende in Sicht. Bislang zeigen sich an den Aktienmärkten keine Auswirkungen. Das könnte sich aber ändern, falls Rating-Agenturen die USA herabstufen.

In Frankreich gelingt es Präsident Emmanuel Macron nicht, die Wut der Bevölkerung gegen seine Reformen aufzulösen. Dabei stehen weniger die politischen Vorhaben selbst, als die Kommunikation im Kreuzfeuer der Kritik. Nun will der französische Präsident die Krise mit einer dreitägigen nationalen Debatte entschärfen. Bei über mehrere Wochen im ganzen Land stattfindenden Gesprächsrunden sollen die französischen Bürger ihre Kritik äußern und Reformvorschläge machen. Einfluss auf die geplanten Wirtschaftsreformen werden die Ergebnisse nicht haben, die Wut der Bürger könnte sich verschärfen. Ein Rücktritt Macrons ist denkbar.

Unternehmensgewinne enttäuschen Investoren

Investoren, die auf erfreuliche Nachrichten zur Ertragslage der Unternehmen hoffen, könnten enttäuscht werden. Kürzlich haben mehrere Häuser die Gewinne nach unten korrigiert: Macy’s, Kohl’s, Delta, Jaguar Land Rover, Constellation Brands und American Airlines. Auch Apple und Fedex haben Gewinnwarnungen herausgegeben.

Trotz dieser Risiken – Brexit, Verwaltungsstillstand in den USA und Proteste in Frankreich – zeigten sich Investoren jüngst zuversichtlich. Die Gespräche zwischen den USA und China im Handelskonflikt sind konstruktiv, auch wenn der große Durchbruch bisher ausgeblieben ist. US-Präsident Donald Trump zeigt Interesse an einem Abkommen mit China. Dabei muss er – anders als Chinas Präsident Xi Jinping – voraussichtlich Zugeständnisse machen. Die chinesische Wirtschaft hat zwar unter den Zöllen gelitten, doch die Regierung würde eher die Binnenwirtschaft stimulieren als vor den USA zu kapitulieren.

Parallel nimmt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bei den Zinserhöhungen den Fuß etwas vom Gas. Der Vorsitzende Jerome Powell hat signalisiert, dass er den Zinsausblick des Hauses herunterschraubt. Er räumt ein, dass ihm die Verfassung der Finanzmärkte und die mögliche Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums Sorgen bereiten. Auch Richard Clarida bemüht sich um gute Stimmung an den Märkten. Angesichts der niedrigen Inflation will der Fed-Vize bei der Geldpolitik Geduld walten lassen.

Die Verbraucherpreise in den USA zeigen jedoch, dass die Gesamtinflation zurückgegangen und die Kerninflation (ohne Lebensmittel- und Energiepreise) gestiegen ist. Dadurch könnte die Flexibilität der Fed-Führung in der Geldpolitik wanken. Dieses Risiko sollten Investoren im Blick behalten. Problematisch ist auch, dass die Fed bei der Bilanzkonsolidierung nicht den gleichen flexiblen Ansatz wie in der Geldpolitik verfolgt. So erklärte Powell erneut, dass er seinen Kurs in dem Feld fortsetzen werde, um diese auf ein „normaleres Niveau“ zurückzuführen.

Fokus auf Handelskonflikt

Meines Erachtens werden Investoren geopolitische Risiken weiterhin ausblenden und sich vor allem auf den Handelskonflikt zwischen China und den USA und den Kurs der Fed konzentrieren. Die Entwicklung der Börsenkurse wird daher größtenteils von der Nachrichtenlage in diesen Feldern abhängen. Investoren sollten aber auch die Berichtssaison verfolgen.