Krypto-Experte Rouven Rosenbaum zur Bitcoin-Hausse Die Spreu trennt sich vom Weizen

Symbolische Bitcoin- und Ethereum-Münzen: Krypto-Experte Rouven Rosenbaum  traut etablierten Währungen mehr zu | © Pexels

Symbolische Bitcoin- und Ethereum-Münzen: Krypto-Experte Rouven Rosenbaum traut etablierten Währungen mehr zu Foto: Pexels

Es waren wie erwartet die Platzhirsche, vor allem der Bitcoin, die den derzeitigen Höhenflug anstießen. Wo Bitcoin, Ether, Ripple und auch Bitcoin Cash deutlich im Plus stehen, konnten viele der Kleinen nicht mithalten. Kein Wunder, sind doch die Bewertungen der Kryptowährungen auf Vertrauen und Nutzbarkeit aufgebaut. Da ist mittlerweile klar, dass die Untergangspropheten, die allen Kryptowährungen ein schnelles und böses Ende vorhersagten, Unrecht hatten. Aber es werden lange nicht alle überleben: Während Bitcoin, Ripple, Ether & Co. den Weg in den großen Markt finden, endet die Reise für viele andere – und das schon sehr bald.

Der gegenwärtige Anstieg ist eine fast logische Konsequenz der intensiven Beschäftigung großer institutioneller Häuser mit dem Thema Blockchain und Kryptowährungen. Wer die Vorteile erkennt, nutzt sie. Das bedeutet Nachfrage und damit steigende Kurse. Aber die Großen steigen eben nicht in verspielte oder überambitionierte Kryptos ein. Sie setzen auf die großen Namen, die vielleicht nicht perfekte, aber funktionierende Technologie, weitgehende Skandalfreiheit und eine solide Zukunft. Deshalb hat der gegenwärtige Anstieg auch alle Chancen, langfristiger zu sein, als die Blase des Jahres 2017.

Damals explodierten die Kurse aller Kryptos. Wer eine neue Idee auf den Markt brachte, wurde mit Geld zugeschüttet. Unsinnige, wenn auch sympathische Projekte entstanden und machten manchmal zumindest ihre Gründer wohlhabend. Statt Anlegern waren vor allem Fans unterwegs, die sich ein Stück einer Idee oder einer grundsätzlichen systemkritischen Haltung erkauften. Denn Kryptowährungen gelten als Gegenentwurf zu bestehenden Währungen, als unabhängig und ein bisschen subversiv. Der Absturz traf die Community hart, die Fans stiegen aus, trennten sich von Beständen, es kam zum Absturz.

Und jetzt kommen die Anleger: Menschen und Institutionen, die mit digitalen Assets Geld verdienen wollen. Dauerhaft, wohlgemerkt, und nicht nur in einem einmaligen Boom. Sie handeln rationaler und suchen auch nach Anhaltspunkten für eine Bewertung der Kryptos. Diese sind schwer zu finden, die Schätzungen schwanken zwischen null und eine Million US-Dollar als realem Wert eines Bitcoin. Wenn also mit herkömmlichen Analyse- und Research-Methoden nicht weiterzukommen ist, bleibt zumindest eine Art Risikomanagement: Too big to fail ist die Idee, der die meisten Anleger derzeit folgen. Das sorgt für den starken Anstieg bei Bitcoin, Bitcoin Cash, Ethereum, Ripple oder auch Litecoin. Es sorgt aber auch für gebremste Entwicklungen bei den schwierigen Fällen wie Tron, Steem oder Verge – und auf Dauer für ein vollständiges Verschwinden dieser Kryptos vom Markt.

Kaufe nur, was Du verstehst, ist eine Börsenweisheit, die angesichts der Komplexität der Technologie zunächst einmal viele Anleger überfordert. Die Großen haben ihre Hausaufgaben gemacht und verstehen die Kryptos jetzt. Für alle anderen bleibt als Faustregel zumindest: Kaufe nur, was Du kennst. Das sind in der Regel Bitcoin, Ethereum, Ripple und Litecoin.

Autor Rouven Rosenbaum ist Geschäftsführer von Bitmeister in Berlin.