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EZB-Chef verlässt seine letzte Pressekonferenz am 24. Oktober 2019: Im November löst ihn Nachfolgerin Christine Lagarde ab. | © Getty Images

Mario Draghis letzte EZB-Sitzung

„In schwierigen Zeiten einen guten Job gemacht“

Jeremy Lawson, Chefvolkswirt bei Aberdeen Standard Investments

Da Mario Draghi Ende des Monats als EZB-Präsident ausscheidet, stellt die heutige EZB-Sitzung das Ende einer Ära dar. Der Fokus liegt jedoch auf der düsteren Realität der wiederkehrenden wirtschaftlichen Krise in der Eurozone.

Obwohl man sich einig ist, dass der EZB noch nicht die Munition ausgegangen ist, ist die Realität so, dass mehr als sieben Jahre nach Draghis „Whatever It Takes“-Rede und fast fünf Jahre nach dem Start des Quantitative Easing die Kerninflation in der Eurozone immer noch nur geringfügig über ihren Tiefstständen von 2015 liegt und das Inflationsziel so weit wie eh und je entfernt scheint.

Tatsächlich wird Draghi bei all seinen Erfolgen, die Eurozone zusammengehalten, eine deutliche wirtschaftliche Erholung ermöglicht und die Kommunikation der EZB mit den Märkten verbessert zu haben, auch eine gespaltene EZB hinterlassen, die nun mehr denn je in ihrem unkonventionellen politischen Muster gefangen ist.

Es wird an seiner Nachfolgerin Christine Lagarde sein, einen Ausweg zu finden und die europäischen Politiker zu drängen, die fiskal- und strukturpolitischen Veränderungen voranzutreiben, die der entscheidende Schlüssel zum Ausweg aus den negativen Zinsen sind.

Robert Greil, Chefstratege, Merck Finck Privatbankiers

Unter dem Strich hat Mario Draghi in schwierigen Zeiten einen guten Job in Sachen Stabilisierung der Eurozone gemacht. Seine größte Leistung vollbrachte er mit seiner „Whatever it takes“-Politik, die ihn gewissermaßen zum „Retter des Euros“ machte.

Letztendlich hat seine Politik aber auch zur Abschaffung des Zinses entscheidend beigetragen. Und das Hauptziel der EZB-Preisstabilitätspolitik, annähernd zwei Prozent Inflation in der Eurozone herbeizuführen, wurde meist nicht erreicht. Die EZB-Inflationsprognosen für 2020/21 von 1,0 bis 1,5 Prozent deuten darauf hin, dass dieses Ziel auch die nächsten beiden Jahre nicht annähernd erreicht wird.

Aber vielleicht wäre die Eurozone ohne Draghi längst in der Deflation und damit noch mehr in japanischen Schwierigkeiten, als sie es bereits ist.

Mit seiner entschlossenen QE-Politik, die er gegen manche Widerstände durchgesetzte, hat er hoch verschuldete Staaten wie nicht zuletzt sein eigenes Heimatland gerettet.

Draghi nützte heute nochmal die Gelegenheit, eine Banken- und Kapitalmarktunion in der Eurozone sowie eine wachstumsfreundlichere Fiskalpolitik von Regierungen mit Spielraum zu fordern – Berlin wird Letzterem aus meiner Sicht aber erst dann nachkommen, wenn sich der Konjunkturtrend noch deutlich mehr eintrübt – als Hauptrisiko erwähnte Draghi eine weitere Abschwächung der Wirtschaft

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