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Wachtendorf-Kolumne Ukraine-Krieg, Inflation, Rezession – war noch was?

Unser Kolumnist Egon Wachtendorf
Beleuchtet drei Themen, über die derzeit kaum jemand spricht: Kolumnist Egon Wachtendorf. | Foto: DAS INVESTMENT

Ukraine-Krieg, Inflation, Rezession – drei Stichworte, die seit Monaten die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse dominieren. Ganz aktuell kommt noch der China-Taiwan-Konflikt hinzu. Ohne jeden Zweifel brandaktuelle Themen, die niemand mit Interesse an den Kapitalmärkten aus den Augen verlieren sollte. Schade nur, dass darüber andere Nachrichten und Schauplätze etwas aus dem Blickfeld geraten, die eine ähnliche Aufmerksamkeit verdienen. Allen voran zwei der größten Anlageskandale der vergangenen 15 Jahre, deren Aufbereitung ganz frisch abgeschlossen ist beziehungsweise auf die Zielgerade zuläuft.

Milliardenbetrüger Bernard Madoff

Ersteres gilt für den Milliardenbetrug des einstigen Wall-Street-Gurus Bernard Madoff. Anteilseigner des bis Dezember 2008 auch in Deutschland vertriebenen Madoff-Fonds „Herald Lux“ haben Ende Juli von den Liquidatoren in Luxemburg die letzte Teilzahlung ihres zeitweise komplett verloren geglaubten Investments erhalten. Zusammen mit einer bereits im Juli 2018 erfolgten Ausschüttung summiert sich die Rückzahlungsquote auf 83 Prozent des 2008 letztmalig ermittelten Anteilspreises. Auf Euro-Basis sind es sogar knapp 87 Prozent – der bärenstarke US-Dollar, in dem die Kompensation erfolgte, lässt grüßen.

 

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Ein insgesamt versöhnliches Ende, das aber neben dem 2021 verstorbenen Schneeballsystem-Betreiber Madoff auch manche seiner Ex-Kunden nicht mehr erleben. Immerhin haben so zumindest die Erben noch etwas davon. Was bleibt, ist der nach wie vor etwas angeknackste Glaube an die Schutzfunktion eines nach europäischem Recht organisierten Sondervermögens und der Groll gegen eine pflichtvergessene Depotbank, die sich lange gesträubt hat, Verantwortung für ihre Versäumnisse zu übernehmen. Ferner das ungute Gefühl, im Betrugsfall weder von den zuständigen Aufsichtsbehörden noch von zuvorderst um den Ruf der Branche besorgten Interessenverbänden nennenswert Unterstützung zu erfahren. Und schließlich die Hoffnung, dass künftige Anleger-Generationen vielleicht etwas misstrauischer sind gegenüber den Versprechungen unseriöser Anbieter, in jedwedem Kapitalmarktumfeld positive Erträge erzielen zu können.

Cum-Ex-Skandal mit 150 Milliarden Euro Schaden

Risikolose Gewinne versprachen auch die Beschuldigten im Cum-Ex-Skandal. Mit dem Frankfurter Steueranwalt Hanno Berger steht seit April einer der Drahtzieher vor dem Bonner Landgericht. Parallel dazu muss Berger sich vor dem Landgericht Wiesbaden wegen seiner Taten verantworten. Man darf gespannt sein, was im Laufe der Verhandlungen noch alles ans Tageslicht kommt und wie viel am Ende von dem Argument übrig bleibt, für den ganzen Schlamassel mit einem geschätzten Schaden von weltweit 150 Milliarden Euro sei einzig und allein der Berliner Politik-Betrieb mit seinen schlampig verfassten Gesetzen verantwortlich. Dass jedoch in der Causa Cum-Ex neben Berger, seinen oft ebenso gierigen wie steinreichen Kunden und zahlreichen Bankern aus privaten und öffentlich-rechtlichen Instituten diverse Politiker bis hinauf in höchste Ämter alles andere als ein leuchtendes Vorbild abgaben, ist auch vor einem abschließenden Urteil längst Allgemeingut.

Und sonst? Mag die Lage an den Börsen noch so fragil sein – die auf Reddit und anderen sozialen Netzwerken aktiven Zocker, denen das alles herzlich egal ist, haben das Feld noch nicht geräumt. Das beste Beispiel dafür liefert die Aktie der Investment-Holding AMTD Digital aus Singapur. Innerhalb von nur zwei Wochen schnellte sie ohne erkennbaren Grund um mehr als 23.000 Prozent in die Höhe und machte das Unternehmen zeitweise wertvoller als Coca-Cola oder Pfizer. Für die Entwicklung der kommenden Monate ein eher schlechtes Zeichen: Dass in einem solchen Umfeld ein neuer Aufschwung ohne größere Geburtswehen seinen Anfang nimmt, erscheint leider wenig plausibel.

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