Vermögensverwalter Michael Thaler Wie viele Aktien braucht ein Anleger?

Michael Thaler ist Vorstand der Vermögensverwaltung Top Vermögen in München.

Michael Thaler ist Vorstand der Vermögensverwaltung Top Vermögen in München.

Der Effekt der Diversifikation wird gemeinhin überschätzt. Bereits mit sieben Aktien kann ein Anleger gut aufgestellt sein, wenn die Aktien einen verschiedenartigen Zyklus aufweisen und aus verschiedenen Sektoren kommen. Sieben Aktien klingen nicht gerade nach viel, und Anleger können hier wirklich noch gut den Überblick behalten.

In einem klassischen Markowitz-Portfolio, das einen mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Nobelpreis ausgezeichneten Prozess beschreibt, wie Aktien so kombiniert werden, dass aus Sicht der Risikodiversifizierung ein optimales Portfolio zusammengestellt wird, werden sich aber kaum spektakuläre Aktien finden. Eher tummeln sich hier die berechenbaren Langweiler wie Procter & Gamble und Henkel, die Ihr Geschäft seit anno dazumal betreiben. Die individuellen Chancen und Risiken spektakulärer Aktien heißen denn auch idiosynkratische Risiken.

Tipps für den Portfolioaufbau

Sind diese hoch und der Anleger spekuliert auf hohe Zuwächse, sollte die Streuung deutlich größer sein. Ein professioneller aktiver Anleger wird jedoch so gut wie nie weniger als ein Prozent einer Aktie in sein Portfolio kaufen. Und Ziel ist dann auch kein Portfolio aus in der Spitze 100 Aktien, sondern ein gestaffelter Kauf. Im Regelfall wird über einen längeren Zeitraum zugekauft, bis eine Position zwischen zwei und fünf Prozent des Portfolios ausmacht. Bei Fünf-Prozent-Positionen hätte der Investor im optimalen Endzustand 20 Aktien. Bei Zwei-Prozent-Positionen sind es 50 Aktien.

In dieser Bandbreite sollte auch ein Privatanleger aktiv sein. Doch es gibt meist ein Problem. Die fixen Transaktionskosten machen dem Anleger einen Strich durch die Rechnung. Bei den derzeit am Markt gängigen Gebühren sollte kaum eine Position unter 2.000 Euro eingegangen werden. Damit reguliert sich die Anzahl der Aktienpositionen gleich von selbst.

Daher kann es gerade zu Beginn der Ansparphase Sinn machen, auf breitere Indizes mithilfe von ETFs, sogenannten Exchange Traded Funds, zu setzen. Und mit der Einmal-Investition ist es natürlich nicht getan. Denn im Regelfall entwickeln sich die Aktienpositionen recht unterschiedlich. Neben ein paar Raketen gibt es leider immer auch Aktien, die Startschwierigkeiten haben werden. Eine Glättung ist daher regelmäßig angeraten, um die Chance-Risiko-Balance immer wieder optimal auszurichten.

Ein Investor, der sich intensiv mit einzelnen Aktien beschäftigen kann und vor allem auch gleiche Risikofaktoren für diese Aktien identifizieren kann, sollte die Diversifikation reduzieren und kann sich mit sieben Aktien durchaus wohlfühlen. Je weniger Expertise, desto größer sollte die Streuung sein. Aber auch hier können 15 bis 20 Aktien reichen. Gerade im Starterbereich bieten sich breite Index-Ivestments in Form von ETFs an.