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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Themen der Asset-Allokation für 2021 Was die Konjunkturerholung mit Anleihen, Aktien und Gold macht

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Themen für Anleihen

Die Kreditspreads haben sich seit März und April deutlich eingeengt, und während uns Kreditpapiere aus relativer Sicht weniger attraktiv erscheinen als Aktien, können wir in bestimmten Segmenten dennoch Anlagechancen ausmachen.

Bei den Unternehmensanleihen geht die Erholung in den einzelnen Sektoren mit unterschiedlichem Tempo vonstatten – je nachdem, inwieweit sie von der Pandemie betroffen sind. Gegenüber hochverzinslichen Papieren sind wir vorsichtig, vor allem in Bereichen, deren Finanzierungsbedarf im Zuge der zweiten Covid-19-Welle zunehmen könnte. Dagegen sehen wir Wertpotenzial in qualitativ höherwertigen Emittenten und Sektoren mit Investment-Grade-Rating.

Anleihen mit Bezug zum Wohnungsmarkt stehen wir nach wie vor wohlgesinnt gegenüber (vor allem in den USA), was ihren soliden Fundamentaldaten zu verdanken ist: Der Wohnimmobilienmarkt hat sich gegenüber dem Covid-Schock als widerstandsfähig erwiesen, da die Ausgangsbedingungen dank der geringen Schuldenquoten und der gesunden Bilanzen der privaten Haushalte günstig waren und der Sektor von den niedrigen Zinssätzen, den Maßnahmen zur Verlustbegrenzung und dem geringen Wohnimmobilienbestand profitiert. US-Hypothekenanleihen preisen nach wie vor eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Auswirkungen künftiger Zahlungsausfälle und Stundungen ein, und den Titeln nicht öffentlicher Emittenten wurde keine ausdrückliche Unterstützung der Fed zuteil, sodass wir in diesen Bereichen preislich attraktive Gelegenheiten finden. Unter den Schwellenländeranleihen sehen wir ebenfalls attraktive Gelegenheiten, ziehen Anlagen in liquidere Instrumente aber vor.

In unseren Multi-Asset-Portfolios bevorzugen wir unter dem Strich eine leichte Übergewichtung von risikoreichen Anlagen – sowohl von Aktien als auch von Anleihen. Obwohl ihre Bewertungen aus absoluter Perspektive teuer scheinen, sollten die niedrigen Zinssätze, die Hilfestellung der Politik und das höhere Gewinnwachstum auf mittlere Sicht eine stützende Wirkung entfalten. Darüber hinaus könnte das Niedrigzinsumfeld risikoreichen Anlagen Rückenwind bescheren – durch eine stärkere Nachfrage von Anlegern, die vor der schwierigen Entscheidung zwischen einer Erhöhung ihres Risikos und einer Senkung ihrer Renditeziele stehen.

Wesentliche Risiken und diversifizierende Elemente

Während wir uns so positionieren, um von einer zyklischen Erholung zu profitieren, ist es nach wie vor unerlässlich, Portfolios aufzubauen, die in einer Reihe von wirtschaftlichen Szenarien am ehesten stabile Mehrerträge erbringen können. Das größte kurzfristige Risiko besteht darin, dass sich die Bemühungen zur Viruseindämmung belastend auf die Konjunkturbelebung auswirken.

Unseres Erachtens bleiben qualitativ hochwertige Durationspositionen (Staatsanleihen) eine zuverlässige Diversifikationsquelle, um uns gegen einen Wachstumsschock abzusichern, auch wenn ihre Renditen auf historisch niedrigem Niveau rangieren. In diesem Zusammenhang haben US-Staatsanleihen mehr Raum nach oben als die meisten ihrer Industrieländer-Pendants und dürften bei einer Flucht in sichere Anlagen nach wie vor der Vermögenswert erster Wahl sein; entsprechend halten wir in unseren Multi-Asset-Portfolios an einer Übergewichtung fest. Des Weiteren favorisieren wir ausgewählte Staatsanleihen aus Schwellenländern, unter anderem aus Peru und China, die Renditevorteile bieten und in Phasen der Risikoscheu tendenziell gut abschneiden (siehe Abbildung 5).

Grafik 2: In Verkaufsphasen an den Aktienmärkten sorgen höherwertige Schwellenländeranleihen (EM) für eine Diversifikation

Ein weiteres potenzielles Risiko geht von Inflationsüberraschungen aus. Nach unserer Erwartung dürfte die weltweite Inflation auf kurze Sicht gedämpft bleiben, da die Verbraucherpreise durch die Auswirkungen der Pandemie – die schwächere Konsumnachfrage, die niedrigeren Energiepreise und die gestiegene Arbeitslosigkeit – in Schach gehalten werden. In einer Welt nach Covid-19 könnten die umfangreichen Finanzspritzen, die steigende Staatsverschuldung und die expansiven Zentralbankmaßnahmen dagegen für eine höhere Inflation sorgen (siehe Grafik 3). Während das künftige Zusammenspiel von Geld- und Fiskalpolitik einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf des längerfristigen Inflationspfads haben wird, sind die Risiken in unseren Augen nach oben verzerrt.

Grafik 3: Langfristige Inflationserwartungen für die USA, Japan und Euroland

Aufgrund dieser Dynamik sind viele inflationsgebundene Vermögenswerte derzeit attraktiv bewertet, und wir halten den Zeitpunkt für günstig, um Multi-Asset-Portfolios gegen die Inflation abzusichern. Dabei konzentrieren wir uns auf Vermögenswerte, die sowohl Inflationsschutz bieten als auch zur Diversifikation in einem Umfeld einer sich verschlechternden Wirtschaftslage beitragen können. Dazu zählen inflationsindexierte Anleihen, die eine direkte Inflationsabsicherung bieten und zugleich von einem Rückgang der Realzinsen profitieren.

Darüber hinaus halten wir Gold langfristig für einen guten Wertspeicher, der eine geringe Korrelation mit traditionellen Risikoanlagen aufweist. Dagegen meiden wir stärker wachstumssensitive Sachwerte – wie beispielsweise Energierohstoffe – in der Erwartung, dass wir es noch viele Jahre mit einer allmählichen Konjunkturbelebung zu tun haben werden, die von erheblichen Abwärtsrisiken und niedrigen oder negativen realen Renditen geprägt sein wird.

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