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Franklin TempletonLesedauer: 5 Minuten
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Wohin entwickeln sich die Volkswirtschaften? Wie die nächste Phase der Pandemie aussieht

Weltweit erste Stahlbrücke aus dem 3D-Drucker (in Amsterdam)
Weltweit erste Stahlbrücke aus dem 3D-Drucker (in Amsterdam): Der Megatrend Digitalisierung erstreckt sich auf die unterschiedlichsten Bereiche. | Foto: imago images / NurPhoto
Francis Scotland, Brandywine Global

Die Pandemie beeinflusst seit mehr als einem Jahr die Anlagetrends und wird unweigerlich auch weiterhin im Fokus der Anleger stehen. Zwei klar definierte makroökonomische Phasen haben die Gesundheitskrise gekennzeichnet.

Die erste Makrophase war die Rezession: Der tiefste und schnellste freie Fall in der modernen Wirtschaftsgeschichte. Der Wirtschaftseinbruch glich eher einer Naturkatastrophe als einer herkömmlichen Rezession und ergab sich aus der Angst und den staatlich verordneten Lockdowns für Menschen und Unternehmen rund um die Welt. Doch obwohl wirtschaftlich verheerend, erwies sich diese Rezession als die kürzeste Kontraktion der modernen Geschichte – sie endete bereits im Juni 2020.

Die zweite Phase war der V-förmige globale Aufschwung, der vor einem Jahr begann. Das globale Bruttoinlandsprodukt erholte sich rasch, bedingt durch das Ende der Lockdowns und befeuert durch eine in ihren massiven Ausmaßen bislang ungekannte geld- und fiskalpolitische Unterstützung. Chinas BIP hatte bereits im Oktober 2020 wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten erreichte dieses Ziel im zweiten Quartal des laufenden Jahres, dicht gefolgt von Europa. Absehbar ist: Die Weltwirtschaft wird das Jahr 2021 voraussichtlich mit einem sehr starken, sich jedoch insgesamt abschwächenden Wachstum beenden. Die wirtschaftliche Normalisierung in den wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt markiert das Ende der zweiten Phase und dürfte, so ist zu vermuten, gleichzeitig den Höhepunkt des Wirtschaftswachstums einläuten.

Auf dem Weg in die dritte Phase

Eine dritte Phase ist derzeit im Entstehen: Ihr Verlauf bestimmt, wie es an den Kapitalmärkten weitergeht. Es ist zu erwarten, dass sich der derzeitige konjunkturelle Aufschwung abschwächen wird; unklar ist nur, in welcher Größenordnung. Drei Fragen stellen sich: Wird die Entwicklung der Weltkonjunktur so ungestüm verlaufen, dass die Inflation durch die Decke geht? Wird sich die konjunkturelle Entwicklung auf den vor Covid-19 gesehenen Trend einpendeln? Oder kommt es letztlich zu einer harten Landung, weil die globale Konjunkturentwicklung immer wieder von Rückschlägen zurückgeworfen wird?

Was die BIP-Entwicklung in der dritten Phase besonders schwer vorhersagbar macht, sind die Kräfte, die sie antreiben. Die ersten beiden Phasen haben zu gewaltigen Verwerfungen innerhalb der Weltwirtschaft geführt; noch ist ungewiss, inwiefern diese Brüche dauerhaft oder vorübergehend sind. Diese Ungewissheit in der dritten Phase ist problematisch, weil es damit schwierig ist, die Markt- und entsprechende Kursentwicklung zu prognostizieren.

Inflationsschub bringt die Wirtschaft in Bedrängnis

Die außerordentlichen geldpolitischen Unterstützungsmaßnahmen dürften rund um die Welt in den nächsten zwölf Monaten allmählich zurückgefahren werden. Mehrere Schwellenländer haben ihre Zinssätze bereits angehoben. In China ist die Geldmenge M1 seit Oktober nur noch mäßig gewachsen und die Kreditvergabe geht zurück. Die US-Notenbank befasst sich bereits mit dem Taper-Timing – die Debatten dürften intensiver werden, sofern die Arbeitslosenquoten im weiteren Verlauf dieses Jahres stark zurückgehen und zugleich die derzeitigen hohen Inflationsraten anhalten. Hintergrund der kräftig gestiegenen Preise sind die von der Pandemie verursachten Schäden auf der Angebotsseite: Die von der Pandemie in Mitleidenschaft gezogenen Unternehmen sind jetzt mit dem wieder aufkommenden Nachfragedruck konfrontiert. Noch ist unklar, wie lange diese Ungleichgewichte andauern werden und wann ein normales Ausgabeverhalten zurückkehrt.

Für das Wirtschaftswachstum bedeutet der Inflationsschub nichts Gutes: Steigende Energiekosten, hohe Rohstoffpreise und langfristig zulegende Anleiherenditen bremsen die Konjunkturentwicklung, weil sie die Kaufkraft der Konsumenten schwächen. Gesetzt den Fall, dass alle anderen Parameter unverändert bleiben, könnte die Inflation schon im kommenden Jahr die Wirtschaftsentwicklung empfindlich behindern.

Die Inflation war zu erwarten, die Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt erscheint hingegen befremdlich. Die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte hat sich als Folge der Pandemie stark reduziert. Es ist unklar, inwieweit der Mangel an Arbeitskräften ein kurz- oder langfristiges Problem darstellt.

Wie geht es nach der Pandemie weiter?

Gegenwärtig scheinen die Märkte einen Mittelweg und damit eine sanfte Landung einzupreisen. Erwartet wird, dass die globale BIP-Entwicklung dem Trend vor der Pandemie folgt. Damit dürfte das Wachstum voraussichtlich stabil und lang anhaltend, die Inflation vorübergehend und der Rückzug aus der Stimulierungspolitik behutsam sein. Doch die Unsicherheiten über das Eintreten dieses Szenarios bestehen weiter – derzeit läuft die Weltwirtschaft vielerorts zunächst einmal heiß.

Wie geht es nach der Pandemie weiter? China hat sich am schnellsten aus der Krise herausgearbeitet, daher lohnt der Blick auf die dortigen Erfahrungen: Die Regierung in Peking hat die Volkswirtschaft in der Pandemie mit einem differenzierten Ansatz unterstützt, indem vorzugsweise Unternehmen anstelle der Arbeitnehmer finanzielle Zuschüsse erhielten. Sobald die Pandemie unter Kontrolle gebracht war, fuhr der Staat die Konjunkturmaßnahmen rigoros zurück. Mit anderen Worten: Die chinesische Wirtschaft befindet sich schon seit einiger Zeit in Phase drei.

In der westlichen Welt hingegen ist es unwahrscheinlich, dass die Zentralbanken den Geldhahn abrupt zudrehen. Stattdessen wollen die Notenbanken den Schwerpunkt ihrer Anstrengungen auf den weiteren Ausbau der Beschäftigung legen und dazu ihre Geldpolitik entlang der makroökonomischen Rahmendaten steuern. Eine höhere Inflation als in der Vergangenheit wird dabei in Kauf genommen. Flankiert wird diese neue Ausrichtung der Geldpolitik durch einen ganzen Themenkatalog, der sich weit von der ursprünglichen Aufgabe der Notenbanken entfernt. So soll die Geldpolitik ab sofort auch auf Themen wie Einkommensungleichheit, Vielfalt und Integration sowie den Klimawandel Einfluss nehmen. Die Europäische Zentralbank beispielsweise hat sich einer grünen Geldpolitik verschrieben und auch in Japan stellt die Notenbank direkte finanzielle Unterstützung für klimafreundliche Unternehmen bereit.

Welche Entwicklung die dritte Phase der Pandemie auch nimmt, eines ist offenkundig: Covid-19 hat den Trend zur Digitalisierung überall in der Welt immens beschleunigt. Für Anleger ergeben sich hier Chancen – ganz unabhängig davon, wie sich die einzelnen Volkswirtschaften in den kommenden Monaten entwickeln.

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Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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