4 Vermögensprofis erläutern Wie stellen Sie sich angesichts der Inflationssorgen auf?

„Finetuning angesagt“

„Finetuning angesagt“ | © PMP Vermögensmanagement

Frank Wieser ist Geschäftsführer bei PMP Vermögensmanagement aus Düsseldorf. © PMP Vermögensmanagement

Frank Wieser, PMP Vermögensmanagement:

„Die Inflation wird sich auf jeden Fall auf einem etwas höheren Niveau einpendeln. Übertriebene Inflationsängste müssen Anleger aber nicht haben. Die Inflationsrate ist dieses Jahr überraschend stark gestiegen. Experten schätzen aber, dass knapp die Hälfte des Anstiegs auf Einmaleffekten beruht: Erhöhte Hygienestandards bei Friseuren haben beispielsweise zu teureren Haarschnitten geführt, die CO2-Bepreisung wurde eingeführt, die Mehrwertsteuersenkung wurde wieder aufgehoben, und der Ölpreis ist deutlich höher als im Corona-Crash. Die EZB hat vor Jahren eine Inflationsrate von um die 2 Prozent als wünschenswert bezeichnet. Nicht auszuschließen, dass wir nach Abzug zahlreicher Sonderfaktoren dort wieder landen werden. Insofern sind gewisse Inflationssorgen angebracht, mehr aber nicht.

Keiner unserer Kunden hat Angst vor einer Hyperinflation. Wir stellen zwar generell einen Trend zu einer höheren Aktiengewichtung fest. Das ist aber eher dem dauernden Zinstief geschuldet als der Sorge vor Inflation. Das Verhalten würde sich möglicherweise ändern, wenn sich nach einer Bundestagswahl die Preise für Heizöl und Benzin massiv erhöhten und einen neuen Inflationsschub auslösen würden.

Aufgrund der gestiegenen Inflation ist eher Finetuning als ein radikaler Depotumbau angesagt. Langlaufende Anleihen gehören genau so wenig in ein Depot wie offene Immobilienfonds – denn keiner weiß, wie sich Homeoffice und veränderte Kaufgewohnheiten in der Rendite auswirken. In der Vermögenallokation sollten aber unbedingt weltweite Qualitätsaktien und ein gewisser Anteil Gold enthalten sein. Den Aktienanteil kann man über ein ETF auf den MSCI abbilden und bei Gold reicht ein ETC auf den Goldpreis.

Thema Liquidität: Am besten belässt man das Geld auf dem Konto und nimmt Minuszinsen in Kauf. Die Nachteile in der Rendite sind marginal. Allerdings führt das immer wieder zu Rückfragen bei Kunden und dem Wunsch das Geld – auch wenn die Rendite sich nicht verbessert – doch in Anleihen zu investieren. Eine gute Alternative sind dann ETFs auf kurzlaufende Staatsanleihen in Euro oder auch mal ein Investment in US-Dollar-Unternehmensanleihen.“

 

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