AfW-Vorstände Frank Rottenbacher, Norman Wirth und Matthias Wiegel (v.li.): Der Verband rechnet im Fall einer gesetzlichen Deckelung der Provisionen bei Lebensversicherungen mit verheerenden Folgen für die Vermittler. | © AfW

AfW befürchtet

Provisionsdeckel bedroht Makler in ihrer beruflichen Existenz

Um durchschnittlich 27 Prozent würden die Provisionseinnahmen von Vermittlern einbrechen, wenn der deutsche Gesetzgeber den Provisionsdeckel beim Vermitteln von Lebensversicherungen wie geplant umsetzen würde. Das ergab eine Umfrage unter rund 1.550 Vermittlern, die der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW durchgeführt hat.

Laut dem aktuellen „Vermittlerbarometer“ erwartet rund jeder vierte Vermittler (27 Prozent) bei einer Deckelung sogar Provisionseinbußen von 40 Prozent und mehr. Nur 13 Prozent der Teilnehmer rechnen dagegen mit weniger als 10 Prozent Einbußen.

 „Die von der Bundesregierung geplante Provisionsbegrenzung in der Lebensversicherung in Höhe von 25 Promille würde die Versicherungsmakler weitaus härter treffen, als die verantwortlichen Politiker glauben“, heißt es von dem Verband. Verbandsvorstand Norman Wirth sieht die jetzt geschätzten Provisionseinbrüche sogar als eine mögliche „existenzielle Bedrohung“ für Vermittler an.

Hoher Verwaltungsaufwand

Auch die im Gesetzentwurf enthaltene Ausnahmeregel, nach der in bestimmten Fällen bis zu 4 Prozent Provision fließen darf, verbessere die Lage nicht. Denn Ausnahmeregeln sorgten wiederum für mehr Bürokratie. „Der immense bürokratische Aufwand, den die Implementierung eines solchen Systems und seine Kontrolle mit sich bringt, konterkariert das Ziel der Kosteneinsparung“, gibt Wirth zu bedenken.  

Insgesamt hat die Umfrage allerdings eine Einschätzung der Bundesanstalt Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bestätigt: Die Behörde war im Bereich Lebensversicherungen von einer mittleren Provisionshöhe von 3,82 Prozent der jeweiligen Beitragssumme ausgegangen. Die vom AfW befragten Vermittler gaben mit 3,77 Prozent einen recht ähnlichen Wert an.

Einen recht viel höheren Prozentsatz hatte dagegen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Jörg Kukies (SPD) kürzlich in die Diskussion gebracht. Auf dem AfW-„Hauptstadtgipfel“ hatte Kukies von stellenweise „mehr als 7 Prozent“ Vermittlerprovision bei Abschluss von Lebensversicherungen gesprochen und sich auf neuere Daten der Bafin berufen. Der AfW hatte diesen Wert in Zweifel gezogen.

Mit Blick auf die jüngsten Ergebnisse des Vermittlerbarometers bekräftigt Wirth: „Der Verband lehnt die aktuellen Pläne für eine Deckelung der Provisionen in der Lebensversicherung weiter kategorisch ab.“

Das bedeutet der Provisionsdeckel

Laut Plänen aus dem Bundesfinanzministerium soll bei Vermittlung von Lebensversicherungen nur noch maximal 2,5 Prozent der Bruttobeitragssumme als Provision an den Vertrieb gehen. In begründeten Ausnahmefällen dürften es bis zu 4 Prozent sein. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hatte das Ministerium im vergangenen April vorgelegt. Innerhalb der Regierungskoalition herrscht zu dem Thema bislang Uneinigkeit.

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