Bei Vermögensverwaltern nachgefragt Was machen Sie seit der Lehman-Krise anders?

Johannes Hirsch: "Ich bin bei meinem Ansatz geblieben"

Johannes Hirsch ist Geschäftsführer der Antea Vermögensverwaltung aus Hamburg. © Antea

Welches sind Ihre prägendsten Erinnerungen an die Zeit der Finanzkrise rund um den Lehman-Zusammenbruch?

Johannes Hirsch: Zu den richtig heftigen Tagen im Oktober war ich auf einer Informationsreise in Singapur zusammen mit anderen Finanzdienstleistern. Völlig ungläubig verfolgten wir das Geschehen an den Börsen („Dax schon wieder minus sechs Prozent“), aufgrund der Zeitverschiebung immer bereits von Beginn an.

Wie waren zu der Zeit Ihre Kundenportfolios aufgestellt und welche Veränderungen haben Sie danach vorgenommen?

Viele Bewertungen an den Börsen fand ich reichlich ambitioniert, daher war der Liquiditätsanteil in den Portfolios schon sehr dominant. Die eingetretene Entwicklung habe ich allerdings nicht erwartet, sonst hätte ich auf Bundesanleihen statt auf Liquidität gesetzt. Allerdings war die hohe Liquidität auch nicht so entspannend wie sie aus heutiger Sicht  scheint: Bei welcher Bank konnte man die Liquidität denn anlegen, welche war ausreichend sicher? Ich habe deshalb auf stark diversifizierte Geldmarktfonds gesetzt.

Haben Sie Schlussfolgerungen für sich gezogen und machen seitdem etwas anders?

Die Schlussfolgerung war deutlich: dass nämlich die gewählte Strategie, ein Mix von Diversifikation und vermögensverwaltendem Ansatz, sogar in solcher Extremsituation goldrichtig ist. Deshalb bin ich bei diesem Ansatz geblieben.

Hat sich die Einstellung Ihrer Kunden zum Thema Finanzanlage durch die Krise verändert?

Seither höre ich keine Vorwürfe mehr, wenn ich nicht jede Aufwärtsbewegung mitmache, bei der ich Probleme mit der Bewertung habe.

Sehen Sie derzeit eine Gefahr, an der sich eine neue Finanzkrise entzünden könnte?

Natürlich kann immer irgendetwas passieren. Gründe gibt es beispielsweise bei einiger hoher Bewertung oder vielfach hoher Verschuldung reichlich. Aber dass es noch einmal dermaßen an den „zentralen Blutkreislauf“ wie damals geht, halte ich für unwahrscheinlich.

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