Noch ist der Besuch der Shopping Malls in den USA möglich: Doch die Gefahr vor einer zweiten Welle trübt an den Märkten die Aussicht auf eine V-förmige Erholung.  | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

Bluebay-Investmentchef

Schlechte Nachrichten dürften die Märkte rasant nach unten schicken

Die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank am Mittwoch hat wenig Neues gebracht. Obwohl es Anzeichen dafür gibt, dass eine zweite Covid-19-Welle an Dynamik gewinnt, bleiben die Anleger unbeeindruckt. Offenkundig gehen sie davon aus, dass die politischen Entscheidungsträger weiterhin Liquidität bereitstellen werden, um die Vermögenspreise zu stützen.

Die Versuchung vollumfänglich investiert zu bleiben, ist für viele Marktteilnehmer groß. Sie gehen davon aus, dass in einer ruhigen Sommerperiode die Volatilität abnehmen wird. Weil in den vergangenen vier Monaten die Bewertungen jedoch einen weiten Weg zurückgelegt haben, könnte jetzt der richtige Zeitpunkt sein, um eine defensive Haltung einzunehmen. Nach den Hoffnungen auf eine V-förmige Konjunkturerholung könnten die Datenveröffentlichungen in den kommenden Wochen zu einer gewissen Enttäuschung führen.

Das Wiederaufflackern des Virus in Europa belastet die Stimmung. Bei vielen Marktteilnehmern scheint sich die Ansicht durchzusetzen, dass die derzeitigen Anpassungen im täglichen Leben wahrscheinlich bis weit ins Jahr 2021 hineinreichen werden – vor Augen geführt durch gering besuchte Shopping-Meilen und die Ankündigungen von Konzernen, die Mehrzahl ihrer Mitarbeiter noch viele weitere Monate im Homeoffice arbeiten zu lassen.

Immerhin scheint die neue Ausbreitung des Virus mit deutlich verringerter Geschwindigkeit zu verlaufen. Bis Impfstoffe und wirksame Therapien bereitstehen, könnte daher die wirtschaftliche Normalisierung nicht zuletzt dank der jüngsten Einigung auf das Konjunkturpaket weiter vorankommen – solange die R-Rate des Virus nicht außer Kontrolle gerät.

Dessen ungeachtet sollten Anleger das Risiko im August begrenzen. Bei guten Nachrichten dürften die Bewertungen an den Märkten nur noch leicht steigen. Bei schlechten Nachrichten gilt Vorsicht, weil eine weitere Eintrübung der Nachrichtenlage die Märkte rasant nach unten schicken dürfte.

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