Flossbach-von-Storch-Experten „Der Euro ist wie ein Gefängnis“

Thomas Lehr und Philipp Vorndran (v.l.), Kapitalmarkt-Experten der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.

Thomas Lehr und Philipp Vorndran (v.l.), Kapitalmarkt-Experten der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.

Der Fortbestand des Euro ist gefährdet. Das erklären Philipp Vorndran und Thomas Lehr, Kapitalmarkt-Experten beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch in einem Zwiegespräch, das im vermögensverwaltungseigenem Magazin „Position“ veröffentlicht wurde. 

„Wenn sich verschiedene Staaten, deren Volkswirtschaften unterschiedlich stark sind, als Währungsgemeinschaft zusammentun, dann funktioniert das nur, wenn neben der gemeinsamen Währung auch eine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik implementiert wird“, meint Lehr. Schließlich müsse es einen Ausgleichsmechanismus zwischen den wirtschaftlich stärkeren und den weniger starken Mitgliedern geben.

„Der Euro ist heute mehr Lira als D-Mark“

Dieser Mechanismus sei früher die Auf- und Abwertung der Nationalwährungen gewesen, ergänzt Vorndran. Vor allem die Italiener hätten davon in der Vergangenheit oft Gebrauch gemacht, um so durch niedrige Preise wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Euro beraube sie dieser Möglichkeit. „Er ist wie ein Gefängnis“.

Um die hochverschuldeten EU-Staaten nicht vollends in den Ruin zu stürzen, senke die Europäische Zentralbank EZB die Zinsen und weiche damit die Gemeinschaftswährung auf, so die Experten weiter. „Der Euro ist heute mehr Lira als D-Mark“.

Sachwerte und Fremdwährungen statt Sparbuch und Euro

Mit einem Strategiewechsel nach Abgang des EZB-Präsidenten Mario Draghi, dessen Amtszeit im Herbst endet, rechnen die beiden Experten nicht. „Die jüngsten Entscheidungen der EZB, die Langfristkredite für europäische Banken zeigen, dass der Nachfolger oder die Nachfolgerin Draghis schon vor dessen Abgang de facto dazu verpflichtet wurde, die Politik des Vorgängers fortzusetzen.“ Die Anleger sollten daher mehr Sachwerte kaufen und auf Fremdwährungen setzen.