Sieht im Service der Fonds-Plattformen noch Luft nach oben Foto: Johannes Arlt

Wachtendorf-Kolumne Fonds-Plattformen: Auf Kriegsfuß mit der Technik

Abenteuerlich war’s, damals – als ich meine ersten Fondsanteile gekauft habe. Irgendwann im Frühjahr 1993 muss das gewesen sein. Ich wollte bauen und im Vorfeld eine größere Summe möglichst gut verzinst parken. Natürlich hätte ich ein Festgeldkonto bei meiner Bank einrichten können, dafür gab es damals trotz eines deutlichen Rendite-Rutsches immerhin noch knapp 6 Prozent. Ohne einen Pfennig Steuern zahlen zu müssen übrigens, denn die Bundesregierung hatte erst wenige Monate zuvor großzügige und für meine Zwecke völlig ausreichende Freibeträge eingeführt.

Als Jung-Redakteur für Investmentfonds reizte es mich jedoch, einen jener neuen geldmarktnahen Fonds auszuprobieren, die von Luxemburg aus um deutsche Kunden warben. Besonders angetan hatte es mir ein Fonds der britischen Gesellschaft Flemings, der Fleming Flagship Series II DEM. Nicht, dass der unbedingt eine bessere Rendite versprach als ein vergleichbares Produkt von Fidelity, der DWS oder einem der vielen anderen Konkurrenten. Doch die Briten hatten zu jener Zeit einige wirklich gute Aktienfonds im Angebot, und für die wollte ich schon mal einen Fuß in die Tür bekommen.

Nur wie? Über Umwege kam ich an die nötigen Formulare, brachte sie ausgefüllt auf den Weg und erteilte, als die Kontoeröffnung in Luxemburg bestätigt war, meiner Bank den entsprechenden Überweisungsauftrag. Die Kaufsumme wurde abgebucht, doch dabei blieb es dann erst einmal. Keine Eingangsbestätigung, kein Kontoauszug, nichts. Ich hing tagelang in der Luft und wusste nicht, wo mein Geld geblieben war. Kein schönes Gefühl, doch am Ende erwiesen sich alle Verlustängste als unbegründet und auch die Rendite stimmte.

Warum ich das hier alles erzähle? Um ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie bequem Fondsanleger es heute haben. Über Plattformen und Direktbanken – beides existierte 1993 in Deutschland noch nicht – lassen sich online rund um die Uhr Aufträge erteilen. Tausende Fonds stehen bereit, Sparpläne gibt es ab 25 Euro im Monat. Die Zeiten, in denen Banken ausschließlich Anteile der eigenen Tochtergesellschaften unters Volk brachten, sind zudem lange vorbei. Von Ausgabeaufschlägen und damals mitunter recht happigen Extra-Gebühren, wenn Kunden mit ihrem Wunsch nach einem Produkt außer der Reihe standhaft blieben, ganz zu schweigen. Schöne neue Investment-Welt.

Nun ja, ein bisschen Luft nach oben ist natürlich immer. Und diese Kolumne wäre kaum entstanden, würde es an der einen oder anderen Stelle nicht doch manchmal empfindlich haken. Angefangen bei den derzeit beängstigend langen Bearbeitungszeiten für relativ simple Vorgänge, die fast schon an das Frühjahr 2000 erinnern: Auf dem Höhepunkt des Neue-Markt-Booms kamen viele Fondsgesellschaften mit dem Eröffnen von Investmentkonten nicht mehr hinterher. Einiges davon – verstärkt durch krankheitsbedingte Ausfälle von Mitarbeitern – ist sicher der Corona-Pandemie geschuldet und sollte bald wieder der Vergangenheit angehören. Eine andere Störquelle sind die immer neuen rechtlichen Vorgaben, die es umzusetzen gilt. Dies allerdings kann man gesetzeskonform, bürokratisch oder eben überpenibel lösen. Im letztgenannten Fall geht es auch dann nicht schneller, wenn sich der Stau eines Tages auflöst.

Dann ist da noch die Technik. Sie schießt häufiger mal quer, wenn Rabatte korrekt gebucht oder Kosten transparent ausgewiesen werden sollen, und sie führt regelmäßig ins Chaos, wenn die Manager eines bis dato problemlos gehandelten Fonds einen Soft Close verkünden. Dazu ebenfalls eine persönliche Erfahrung, die der betroffenen Plattform nicht gerade zur Ehre gereicht. Für einen der 100 Fondsklassiker von DAS INVESTMENT besteht seit Jahren ein anfangs recht hoch angesetzter Sparplan, den ich nun gern reduzieren würde. Aussichtslos. Monat für Monat in voller Höhe weiterzahlen oder komplett stoppen lauten die beiden einzigen Alternativen, so lange der Soft Close fortbesteht. Geht’s noch?

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