Vermögensverwalter Marc-Oliver Lux Schlechte Vorzeichen für britischen Finanzsektor

Marc-Oliver Lux: Der Vermögensverwalter aus München erklärt die Folgen des Brexits. | © Dr. Lux & Präuner GmbH

Marc-Oliver Lux: Der Vermögensverwalter aus München erklärt die Folgen des Brexits. Foto: Dr. Lux & Präuner GmbH

Trotz des Verhandlungsergebnisses zwischen der britischen Regierung und der Europäischen Union ist ein geregelter Austritt des Landes noch lange nicht sicher. Alles hängt davon ab, ob die britische Premierministerin das Parlament für sich gewinnen kann.

Und hier herrscht bekanntlich große Uneinigkeit, nicht nur zwischen Tories und Labour, sondern auch innerhalb der Parteien. Ein ungeordneter Brexit bleibt deshalb weiterhin ein mögliches Szenario. Die ökonomischen Auswirkungen wären gravierend. Vor allem für Großbritannien selbst.

Zugang zum Binnenmarkt 

Großbritannien wäre plötzlich für die EU ein gewöhnliches Drittland. Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt wäre Geschichte. Der Handel würde unter die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückfallen, womit Grenzkontrollen und Zölle unausweichlich wären.

Im Gegensatz zu Großbritannien würden die EU und Deutschland noch vergleichsweise glimpflich davonkommen. 2017 gingen über 47,4 Prozent der Exporte Großbritanniens in die EU, während 51,5 Prozent der Importe aus der EU stammen. Für die EU dagegen beträgt der Anteil der Exporte an Großbritannien 6,1 Prozent, der Anteil der Importe aus Großbritannien 3,8 Prozent. Ähnlich verhält es sich mit Deutschland und Großbritannien (Exporte 6,6, Importe 4,0 Prozent).

Exporte werden substituiert 

Würden die Exporte ins Vereinigte Königreich um 17 Prozent sinken (analog zum Abschwung 2009), könnte dies das deutsche Wachstum um bis zu 0,4 Prozent belasten. Besonders der Automobilsektor und die Maschinenbauer würden unter einem harten Brexit leiden. Andere Sektoren hätten geringe Auswirkungen zu befürchten.

Allerdings dürften wegfallende Exporte aus Großbritannien durch Exporte anderer Länder substituiert werden. Da Großbritannien besonders Autos und Maschinen exportiert, ist Deutschland prädestiniert, einen Teil dieser Exporte zu übernehmen, was die negativen Auswirkungen zum Teil auffangen könnte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für Deutschland bis 2030 um etwa 0,5 Prozent belastet wird. Für die gesamte EU wird mit einem stärkeren Rückgang um zirka 1,5 Prozent gerechnet.

Internationale Arbeitsteilung 

Dies zeigt, wie abhängig Großbritannien von der EU ist. Gerade die bedeutende britische Automobilindustrie ist sehr stark in die internationale Arbeitsteilung eingebunden und würde damit unter Zöllen besonders leiden. Auch der Dienstleistungssektor (70,1 Prozent des BIP) und insbesondere der Londoner Bankensektor würden hart getroffen werden. Langfristig geht der IWF davon aus, dass ein ungeregelter Brexit Großbritannien bis 2030 vier Prozent Wachstum kosten würde.

Für Anleger bleibt also ein Risiko. Vor allem für den Finanzsektor sehen die Vorzeichen schlecht aus. Wer bereits investiert ist, mag sich aus Vorsichtsgründen – auch im Hinblick auf eine mögliche Pfundabwertung – von dem einen oder anderen Engagement trennen, aber in Panik muss man nicht verfallen. Die Erkenntnis aus allen früheren Krisen ist ja, dass niemand Interesse daran hat, dass alles in Chaos stürzt, auch wenn sich das so manche Crash-Propheten gerne wünschen würden.