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Audi-Studie Foto: imago images / Patrick Scheiber

Strukturwandel

Wohin steuert die Autoindustrie?

Schon vor der Corona-Pandemie sah sich die deutsche Autoindustrie mit drei Herausforderungen konfrontiert: Erstens hat der 2015 aufgedeckte Dieselskandal die Glaubwürdigkeit der Branche erschüttert. Zweitens erhöht der Klimawandel den politischen Druck in Richtung E-Mobilität – ein Bereich, in dem deutsche Hersteller eher hinterherfahren. Drittens gehen seit dem Spitzenjahr 2017 die Verkaufszahlen zurück, sogar die Absätze in China schrumpften bereits 2019 um fast 10 Prozent.

Der Corona-Lockdown brachte dann die Vollbremsung. Im April 2020 sank die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland auf 120.840, ein Minus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Selbst in der Lehman-Rezession 2009 waren es nie weniger als 200.000. Die Produktion der Autowerke brach um mehr als 90 Prozent ein.

Wichtiger Markt für Firmenwagen könnte unter Druck geraten

Die stillstehenden Bänder zwangen die Branche zur Standortbestimmung. Denn die Corona-Krise verschärft auf unterschiedliche Weise den Strukturwandel, in dem sich die Autobauer befinden:

  1. Durch einen höheren Homeoffice-Anteil sinkt der Stellenwert des eigenen Pkw. Außerdem dürften vor allem die Zulassungszahlen von Firmenwagen aus der margenstarken Mittel- und Oberklasse abnehmen – denn der Druck auf Unternehmen aller Sektoren steigt, klimaneutral zu arbeiten. Und dieser Markt ist für die Autohersteller nicht nur aufgrund der Margen wichtig: Gewerbliche Zulassungen machen knapp zwei Drittel am Pkw-Absatz aus, private Käufer dagegen nur rund ein Drittel.
  1. Während des Lockdowns wurden Konsumentscheidungen zurückgestellt. Nun gibt die Mehrwertsteuersenkung Anreize vor allem für größere Anschaffungen – wie Autos. Erste Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass ausländische Hersteller davon stärker profitieren als die deutsche Autoindustrie, weil Käufer Hybrid- und reine Elektromodelle bevorzugen.
  1. Wie andere Industrien auch wurde die Automobilbranche vom Lockdown ausgebremst. Der Neustart wird vom Staat unter anderem mit Kaufprämien für Autos mit alternativen Antrieben unterstützt. Die Förderung von Verbrennern blieb jedoch aus. Das beschleunigt den Wandel.

Die Autoindustrie zwischen zwei Megatrends

In der Automobilindustrie kommt die strukturverändernde Wirkung zweier Megatrends zusammen: Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Als Folge der Digitalisierung wird das Auto der Zukunft um die Software herum gebaut. Das wirft die Frage auf, ob traditionelle Autobauer in ihrer jetzigen Form Bestand haben oder lediglich bessere Karosseriezulieferer für Google, Apple & Co. werden.

Dem Nachhaltigkeitstrend inklusive verschärfter CO2-Ziele kann sich die Autobranche schon seit einiger Zeit nicht mehr entziehen – die Politik hält nicht länger ihre schützende Hand über sie. Der Druck auf die Hersteller, diesen Strukturwandel mitzugestalten statt von ihm mitgerissen zu werden, steigt im Zuge der Pandemie erheblich. Wohin die Autoindustrie steuert? Das ist Stand heute noch offen.

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