ZEW-Ökonom Heinemann „Italien droht eine neue Abwärtsspirale“

Apple-Store in Mailand: Die Ausgaben der Links-Rechts-Regierung gefährden Experten zufolge die italienische Volkswirtschaft | © Getty Images

Apple-Store in Mailand: Die Ausgaben der Links-Rechts-Regierung gefährden Experten zufolge die italienische Volkswirtschaft Foto: Getty Images

„In den kommenden Monaten wird sich entscheiden, ob sich in der italienischen Regierung der Kurs des Finanzministers durchsetzt oder ob das Land auf den Kurs wieder steigender Defizite und Schulden einschwenkt“, sagt Heinemann, der den Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und öffentliche Finanzwirtschaft“ am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) leitet.

Liquiditätskrisen kaum aufzufangen

Wenn der Finanzminister mit seinem Bemühen zur Defizitbegrenzung unterliege, so der Experte, entwickle sich ein für Italien und die Eurozone äußerst gefährliches Szenario. „Italien kann dann rasch in eine neue Abwärtsspirale aus steigenden Zinsen, Kapitalflucht und Konjunktureinbruch geraten.“

Weder die Europäische Zentralbank noch der Euro-Rettungsschirm dürfen einem Land Beistand gewähren, das demonstrativ europäische Regeln verletzt, wie Heinemann betont: „Gerät Italien mit seiner Staatsverschuldung im Umfang von zwei Billionen Euro in eine Liquiditätskrise, dann ist der Ausgang aber völlig offen. Alles ist dann möglich, eine neue umfassende Banken- und Finanzkrise ebenso wie umfangreiche Garantieleistungen der Euro-Staaten gegen die Regeln der europäischen Verträge.“

Heinemanns Erklärung: Italiens Populisten könnten darauf spekulieren, dass das Land als ‚too big to fail‘ gelte und die europäischen Partner sich zur Hilfe gezwungen sehen: „Diese Spekulation ist hochriskant und nimmt schweren Schaden für die Europäische Union billigend in Kauf.“