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Aufbruch zum Wachstum

Mario Draghi mit dem niederländischen Finanzminister Wopke Hoekstra (l.):  Der EZB-Chef glaubt, dass die Inflation in der Euro-Zone mittelfristig anziehen wird. | © Getty Images

Amundi zur Inflation

„Zentralbanken sollten ihre Politik überdenken“

Alfred Grusch managt bei Amundi unter anderem den Amundi Funds II – Real Assets Target Income, einen Multi-Asset-Fonds mit Fokus auf inflationsbereinigten langfristigen Kapitalzuwachs

Die Inflation war nie weg. In der Geschichte der Kapitalmärkte gab es Zeiten, in denen sie zwar schlummerte, aber Wiederbelebungen immer schmerzhaft waren. Was uns derzeit auffällt, ist die Unfähigkeit einiger Länder, ihre Inflation anzukurbeln – trotz niedriger Zinssätze und Liquiditätsspritzen. Vor allem die Bank of Japan (BoJ) und die Europäische Zentralbank (EZB) sind die Wette eingegangen, dass sich eine ultra-akkommodierende Geldpolitik schnell in einem Anstieg der Inflation niederschlagen würde.

Darum ist es wichtig, das Ende der Inflation in Frage zu stellen

Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat sich für eine "freundliche" Normalisierung ihrer Geldpolitik entschieden. Allerdings hat dieses Vorgehen dazu beigetragen, dass die damit einhergehende US-Steuerpolitik noch nie so prozyklisch war wie unter dem aktuellen US-Präsidenten Donald Trump.

Warum ist es also wichtig, das Ende der Inflation in Frage zu stellen? Erstens, weil wir glauben, dass es keine Inflationserwartungen mehr gibt und selbst ein kleiner Anstieg der Inflation erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte und Volkswirtschaften haben könnte.

Zweitens glauben wir, dass sich nach wie vor die Instrumente und Perspektiven der Zentralbanken beim Thema Inflation direkt auf die Handlungen von Banken und Regierungen auswirken. Kein Wunder, dass bei den Zentralbanken derzeit viel diskutiert wird über Inflationsziele und die dafür geeigneten Strategien und Instrumente.

Unverändertes Inflationsziel seit den 1980er Jahren

Seit den 1970er Jahren verfolgen die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik unterschiedliche Ziele. In den 1980er Jahren wollten sie – allen voran die Fed in den USA – ein gutes Liquiditätsniveau anbieten. Anschließend verfolgten sie das Ziel, die Inflation (bis zur Finanzkrise 2008) wieder auf das gewünschte Niveau zu bringen, Krisen und Deflation zu vermeiden und Expansionsperioden zu verlängern.

Allerdings hat der Großteil der Zentralbanken seit den 1980er Jahren sein Inflationsziel beibehalten und ist zu dem Schluss gekommen, dass eine Inflation von „etwa 2 Prozent“ oder „bei 2 Prozent“ oder „nahe 2 Prozent“ als preisstabil gelten kann. Mit dem Ende der Finanzkrise im Jahr 2008 haben die Zentralbanken angesichts der Deflationsängste schließlich ultra-akkommodative Maßnahmen ergriffen, manchmal unter Verwendung unkonventioneller Methoden, wie dem sogenannten "Quantitative Easing" (QE).

Mit diesem QE-Programm hat die EZB die Geldmenge nochmals vermehrt, indem sie Banken und Investoren in großem Umfang Staatsanleihen abgekauft hat. Das Kalkül dahinter:  Investoren stecken das eingenommene Geld in Aktien oder Unternehmensanleihen. Dadurch sollte der Wirtschaft frisches Kapital zufließen, was wiederum in Investitionen und neue Jobs münden sollte. Von Inflation jedoch keine Spur, sie blieb aus.

Es gibt keine Inflationserwartungen mehr

Unserer Meinung nach lässt sich das Rätsel der „fehlenden Inflation" durch die Struktur des Arbeitsmarktes, den ökonomischen Wettbewerb sowie fehlende Inflationserwartungen erklären. Vor allem Letztere sind zurückzuführen auf die extreme Glaubwürdigkeit der Zentralbanken in der Eurozone sowie eine grundsätzliche Schwäche struktureller Inflationskomponenten.

Dennoch bestehen das niedrige Lohnkostenwachstum – auch wenn Anzeichen einer Steigerung erkennbar sind – , die niedrige zugrunde liegende Inflation und die niedrigen Zinssätze fort – trotz der Positionierung im Konjunkturzyklus und trotz der Spannungen auf dem Arbeitsmarkt. Warum das der Fall ist? Weil in diesem atypischen Kontext aus niedrigen Löhnen und niedrigen Zinssätzen Unternehmen in der Lage sind, eine hohe Rentabilität aufrechtzuerhalten.

Währungsregeln funktionieren nicht mehr richtig

Als Folge dieser "Störungen" kann man nicht nur das Fehlen einer Rezession aufgrund von Zinserhöhungen oder sinkenden Gewinnen benennen. Auch Faktoren wie Geopolitik, Handel und Schuldenanhäufung spielen hier eine Rolle.

Da die bisher geltenden Inflationsziele zu einer Illusion geworden sind, stehen die Zentralbanken vor neuen Herausforderungen. Zwar werden sie ihren Kurs nicht ändern, aber vielleicht ihre Optionen überdenken. Ein Beispiel dafür ist die Fed, die kürzlich beschlossen hat, ihre Ziele, Instrumente und ihre Kommunikationspolitik grundlegend überprüfen zu wollen.

Fakt ist: Die Währungsregeln der Zentralbanken funktionieren nicht mehr richtig und in gewisser Weise stehen die Zentralbanker deshalb auf verlorenem Posten. Insbesondere die Abflachung der Phillips-Kurve, also die Schwächung des Verhältnisses zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit, verringert die Fähigkeit der Zentralbanken, ihre Inflationsziele zu erreichen.

Fazit: Zentralbanken sollten ihre Politik überdenken

Die Inflation ist nicht tot, sie ist nur von Waren und Dienstleistungen zu Finanzanlagen übergegangen und sorgt so für zusätzliche Risiken bei der Finanzstabilität. Die Inflation ist nicht tot, sondern sie ist inaktiv, anders und möglicherweise auf dem Vormarsch.

Wie auch immer der nächste Schritt aussehen wird, Zentralbanken und andere Institutionen müssen gezwungenermaßen so weiternavigieren wie bisher – ohne genau zu wissen, wie die "neue Normalität" der Post-Finanzkrise künftig aussehen wird.

Unserer Meinung nach sollten die Zentralbanken ihre auf die Inflation ausgerichtete Politik in Gänze überdenken. Zwar mögen die Richtlinien der Zentralbanken leicht verständlich und transparent sein, dennoch sind sie für die heutige Zeit nicht mehr ausreichend.

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 09.05.2019. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.

Der Amundi Funds II – Real Assets Target Income ist ein Teilfonds des Amundi Funds II, eines „Fonds commun de placement“ mit verschiedenen, voneinander getrennten Teilfonds, aufgelegt nach luxemburgischem Recht von der Amundi Luxembourg S.A. Die vollständigen Angaben zum Fonds sind dem Verkaufsprospekt bzw. den wesentlichen Anlegerinformationen, ergänzt durch den jeweils letzten geprüften Jahresbericht und den jeweiligen Halbjahresbericht, falls dieser mit jüngerem Datum als der Jahresbericht vorliegt, zu entnehmen. Diese Unterlagen stellen die allein verbindliche Grundlage des Kaufs dar. Sie sind in Deutschland kostenfrei in digitaler Form unter www.amundi.de und als Druckstücke bei der Amundi Deutschland GmbH, Arnulfstr. 124–126, D-80636 München, erhältlich. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt aufmerksam, bevor Sie investieren. Dieser enthält auch weitere Risikohinweise.

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