Versicherungsaufsicht Bafin nimmt 55 Cyber-Versicherer unter die Lupe

Die Einschläge kommen näher: Nach vielen spektakulären Fällen geglückter Attacken von Hackern auf Privatleute, Behörden und Unternehmen, traf es in diesem Sommer auch beispielsweise den Schaden- und Unfallversicherer Haftpflichtkasse mit Sitz in Roßdorf bei Darmstadt. Deutschlands Assekuranz profitiert von der zunehmenden Sorge um die Sicherheit der eigenen Daten: Vor allem in den vergangenen beiden Jahren ist das Segment der Cyber-Policen dynamisch gewachsen, berichtet aktuell die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).
Beitragseinnahmen seit 2016 verfünffacht
Allein im vorigen Jahr stiegen die gebuchten Bruttobeitragseinnahmen deutlich auf rund 240 Millionen Euro. Das ist zwar knapp fünf Mal so viel wie vier Jahre zuvor. Doch im Verhältnis zu anderen Versicherungszweigen ist dieses Marktsegment nach wie vor überschaubar, kommentieren die Versicherungsaufseher. Sie befragten jetzt 55 Erst- und Rückversicherer mit Sitz in Deutschland und fünf Niederlassungen von EU-Versicherern in Deutschland. Die Firmen sollten jeweils Kennzahlen ihrer Gewinn- und- Verlust-Rechnung zum Geschäft mit Cyber-Policen seit 2016 liefern.
Dabei sollten die Anbieter einerseits unterscheiden, ob es sich um reine Cyber-Policen handelt oder um traditionelle Verträge mit zusätzlichem Cyber-Baustein. Andererseits ging es darum, zwischen dem Geschäft mit Privatpersonen, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie der Industrie zu trennen. Im Ergebnis ist das Industriegeschäft mit 61,1 Prozent der gebuchten Bruttobeitragseinnahmen aktuell das wichtigste Standbein der Cyber-Versicherungsbranche in Deutschland. Das Privatkundengeschäft spielt mit nur 2,6 Prozent hier dagegen lediglich eine Nebenrolle.
Daneben beobachten die Versicherungsaufseher eine relativ hohe Marktkonzentration: Auf die zehn größten Anbieter im Erstversicherungsmarkt entfallen demnach rund 86 Prozent der Beitragseinnahmen. Kleinere Anbieter seien aber oft im Wege der Mitversicherung beteiligt. Die Bafin habe gegenüber den Anfangsjahren des noch jungen Geschäftszweigs zuletzt zwar verbesserte Daten erhalten. Dennoch zeigt sich die Behörde unzufrieden mit der Detailtiefe der Angaben, insbesondere bei den Schadenaufwendungen für die einzelnen Policen-Komponenten Eigenschaden, Haftpflicht und Service.