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Containerhafen im chinesischen Qingdao: Anleger sollten China anders bewerten als übliche Schwellenländer, meint Steven Green von Capital Group. | © Getty Images

Capital Group zu chinesischen Staatsanleihen Wie Anleger von Chinas Marktöffnung profitieren

China öffnet seinen Anleihemarkt zunehmend für ausländische Investoren. Anleger können somit künftig auf einen neuen, facettenreichen und vor allem liquiden Markt mit der Aussicht auf gute Renditen hoffen. Darüber hinaus verspricht die Aufnahme Chinas in eine Reihe bedeutsamer Indizes weitere substanzielle Mittelzuflüsse.

Gute Renditen chinesischer Staatsanleihen locken Anleger

Bisher befinden sich weniger als 2 Prozent des chinesischen Anleihevolumens in der Hand ausländischer Investoren. Grund dafür sind vor allem die strengen Kapitalverkehrskontrollen. Dadurch war der Markt für inländische Renminbi-Anleihen bisher aus vielen bedeutenden Indizes für Schwellen- und Industrieländerbonds ausgeschlossen. In den vergangenen Jahren hat es hier jedoch Reformen gegeben – einer der Gründe, warum chinesische Inlandsanleihen für ausländische Anleger zunehmend interessant werden dürften.

Ein weiterer Grund ist der, dass vor dem Hintergrund der aktuellen Zinspolitik weltweit Staatsanleihen im Wert von rund 10 Billionen US-Dollar negative Renditen erzielt haben. Ganz anders chinesische Anleihen, die trotz eines sehr guten Ratings von A1 beziehungsweise A+ eine nominale Zehnjahresrendite von 3,3 Prozent bieten – das rückt sie bei Investoren verstärkt in den Fokus. Derzeit liegen Chinas Renditen zwar zwischen denen der Industrie- und Schwellenländer, allerdings gleicht das Länder-Rating eher dem eines Industrielandes.

Investoren sollten einen klaren Blick behalten

Insbesondere in den zurückliegenden Jahren hat die chinesische Regierung die Öffnung und Liberalisierung des Anleihenmarktes durch eine Reihe von Reformen vorangetrieben. Dennoch zögern Anleger bisher. Ein Hauptgrund dafür sind die trüben Konjunkturaussichten: Hohe Schulden und die Möglichkeit einer harten Landung verunsichern internationale Investoren, die zudem steigende Inlandszinsen und eine Abwertung des Renminbi befürchten.

Anleger sollten sich jedoch nicht von ihren Bedenken treiben lassen, sondern einen klaren Blick behalten. Zwar bleibt die chinesische Verschuldung auch weiterhin ein Grund zur Sorge, doch sind die meisten Gläubiger nichtbörsennotierte Fremdkapitalinstrumente von staatlichen oder halbstaatlichen Unternehmen. Hinzukommt, dass der Quotient aus Auslandsschulden und Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerade einmal 13 Prozent beträgt und der Markt durch inländische Ersparnisse gestützt wird. Das kommt nicht von ungefähr; die chinesische Sparquote ist mit 46 Prozent die höchste der Welt. 

Insgesamt sollten Anleger China anders bewerten als die übrigen Schwellenländer. Deren Probleme, wie etwa hohe Leistungsbilanzdefizite und Auslandsschulden, treffen auf das Reich der Mitte nicht zu. Peking hat die Möglichkeit, den Schuldenabbau abzufedern. 

Für China gelten andere Regeln

Außerdem spricht ein weiterer Grund gegen die Bedenken von Investoren: Zwar hat sich das Wachstum unter dem Druck des Handelskonfliktes mit den USA im zweiten Quartal 2019 auf 6,2 Prozent verringert – die Wirtschaft wächst damit so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr. Doch verglichen mit anderen Industrieländern ist die Konjunktur noch immer intakt. Außerdem kann Peking seine Geldpolitik weiter lockern, um den wirtschaftlichen Druck auszugleichen. Das wiederum hätte positive Auswirkungen auf die Lokalwährungsanleihen.

Das China anders ist, zeigt sich auch daran, dass chinesische Anleihen in der Vergangenheit weder sonderlich stark mit denen von anderen Schwellenländern noch mit denen der Industrienationen korreliert haben. Die Öffnung des Kapitalmarktes dürfte letztlich zwar zu höheren Korrelationen führen, dieser Prozess dürfte jedoch längere Zeit in Anspruch nehmen.

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