Natixis-Chefstratege David Lafferty Darum sind Anleihen ein Pulverfass

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In den vergangenen zehn Jahren fand hinter den Kulissen des allgemeinen Renditeverfalls eine tiefgreifende Veränderung in den Rentenindizes statt: die Duration stieg dramatisch an. Dies war ein natürliches Nebenprodukt der längeren Laufzeiten, mit denen sich die Emittenten die niedrigen Zinsen auf lange Zeit sicherten, und der Konvexität – weiter entfernte Cashflows werden dank niedrigerer Zinsen weniger stark abdiskontiert.

Diese beiden Faktoren haben die Duration des Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond Index von etwas mehr als fünf Jahren während der Finanzkrise auf aktuell mehr als sieben Jahre getrieben – ein Anstieg des Zinsänderungsrisikos um fast 40 Prozent.

Besonders akut ist das Problem für passive Investoren, die keine Kontrolle über die in ihren Portfolios enthaltenen Anleihen haben. Für sie besteht die Gefahr, dass sie unfreiwillig eine längere Duration in Kauf nehmen, schlicht weil sich die Anleihemärkte verändern. Nicht wenige Anleihefonds-Manager müssen eine längere Duration hinnehmen, weil die Duration ihrer zugrundeliegenden Benchmark gestiegen ist. Endanlegern entsteht dadurch eher automatisch als gewollt ein zusätzliches Zinsrisiko.

Quelle: Bloomberg, Natixis Investment Managers; Zeitraum: März 1999 bis Oktober 2019

Wie der Chart veranschaulicht, geht die Rendite des globalen Anleihenindex von 1,5 Prozent mit einer Duration von über 7,1 Jahren einher. Das bedeutet, dass Anleger für jedes Jahr mehr Duration einen Aufschlag von gerade einmal 20 Basispunkten erzielen.

Fazit: In den Anleihen­portfolios liegt Dynamit, das nur einen Funken braucht, um sich zu entzünden. Diesen Funken sehen wir zwar aktuell nicht; wie der Konsens der Analysten erwarten wir weder ein deutlich stärkeres Wachstum oder eine steigende Inflation, die die Renditen nach oben treiben würden. Aber Zinsen sind bekanntlich schwer vorherzusagen. Und dann auf soviel Dynamit zu sitzen ist allemal ungemütlich.

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