Mark Dowding (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Bluebay-Investmentchef zum jüngsten Kursrutsch Gerät die Gier am breiten Markt außer Kontrolle?

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Von Raubtieren inspirierte Taktik

Aber nicht die Geld- und Fiskalpolitik bewegte in den vergangenen Tagen das Kursgeschehen an den Märkten – ganz andere Kräfte kamen zum Wirken. Der leichte Kursrutsch bei Aktien scheint zum Teil mit Verkäufen von Hedgefonds zu tun zu haben, die im Ringen mit Hobbyaktionären in die Enge getrieben werden.

Hedgefonds mögen sich über diese von Raubtieren inspirierte Taktik der geballten Attacke beschweren, aber der Erfolg der Anleger in Gamestop & Co. könnte dazu führen, dass Hedgefonds, die zunehmend riesigen Verlusten ausgesetzt sind, die Tragfähigkeit ihrer Anlagestrategien überdenken. Für erfahrene Marktteilnehmer kommt die Lage aber nicht überraschend – es hat immer Blasen an den Finanzmärkten gegeben und es wird sie immer geben; genau wie Menschen, die darauf aus sind, schnell reich zu werden.

Kurzfristig könnte die Volatilität zunehmen

Wenn allerdings dieser Herdentrieb Schule macht und dazu führt, dass Risikoprämien obsolet werden, könnte eine neue Bedrohungslage für die Finanzstabilität entstehen. Die Zentralbanken müssten dann unter Umständen reagieren. Der Blick auf den Volatilitätsindex VIX, der auf über 30 Punkte geklettert ist, zeigt jedoch, dass die Marktteilnehmer dem derzeitigen Geschehen eine gesunde Portion Skepsis entgegenbringen und dem instinktiven Wunsch folgen, sich nach unten abzusichern. Es gibt also keine Anzeichen, dass die Gier auch am breiten Markt außer Kontrolle gerät.

Nachdem die jüngsten Zentralbanksitzungen über die Bühne gegangen sind und vorerst keine wichtigen politischen Ereignisse anstehen, liegt der Gedanke nahe, dass die Märkte einen ruhigen Monat erleben könnten und sich die Lage entspannt. Dennoch: Die Ereignisse an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen zeigen, dass es auch auf kurzfristige Sicht Katalysatoren geben kann, die die Volatilität treiben.

Letzten Endes wäre es vermutlich am besten, der von Hobbyaktionären und Hedgefonds aufgepumpten Blase – wie allen anderen auch – ihren natürlichen Lauf zu lassen. Es wäre eine heilsame Warnung für andere Marktteilnehmer in kommenden Zeiten. Eines ist klar: Wenn der Spaß aufhört, endet das Spiel. Die mittelfristige Hoffnung auf ein robustes Wachstum im weiteren Jahresverlauf 2021 bleibt bestehen. Wir sehen keine Anzeichen, dass die politischen Entscheidungsträger in der aktuellen Lage, in der die Pandemie noch immer wütet, ihre Maßnahmen zurücknehmen.

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