Guido vom Schemm (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

GVS-Chef Guido vom Schemm über Analystenmeinungen Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

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Ein weiterer Knackpunkt bei diesen Analysen ist die Tatsache, dass immer nur alte Daten zur Verfügung stehen, welche zwangsläufig keine verlässlichen Informationen für die Zukunft bieten müssen.

Zahlreiche Studien belegen seit Jahrzehnten, dass Aktienanalysen kaum einen Mehrwert bringen. Die Professoren Trueman, Lehavy, Barber und McNichols untersuchten die Qualität von 360.000 Analystenempfehlungen, die von 269 amerikanischen Banken und Brokerhäusern zwischen 1986 bis 1996 abgegeben wurden. Das 2001 veröffentlichte Ergebnis war eindeutig. Nach Abzug der Transaktionskosten war kein wirklicher Mehrwert dieser Empfehlungen für die Anleger festzustellen. Zahlreiche Anleger glauben, dass sich dies durch modernere Technik, detaillierte Daten und bessere Analysetools geändert hat. Dies ist aber nicht der Fall.

Am Beispiel der Amazon-Aktie wird deutlich, dass Analysten sehr zur Trendfolge neigen: Steigt der Kurs einer Aktie über längere Zeit stetig, so sind die Kauf-Empfehlungen garantiert – egal wie teuer die Aktie ist. Die Analysten wollen ja im „Konsens“ bleiben.

Was Analysten über 10 Jahre bei HP empfohlen hätten
Blaue Linie (HP-Aktienkurs/linke Achse), rote Linie (Ø HP-Analystenempfehlung, 1 (=starker Verkauf) bis 5 (=starker Kauf) /rechte Achse)

Quelle: Bloomberg

Die Anzahl der Kaufempfehlungen ist im Laufe der Jahre im Gleichlauf zum Aktienkurs gestiegen. Das wird wahrscheinlich so lange gehen bis es einmal einen Einbruch gibt, anschließend, wenn die Aktien wieder deutlich günstiger bewertet ist, werden die Analysten den Daumen zu senken

Die beste Rendite erzielt man an der Börse im Durchschnitt oftmals mit Werten, bei denen man einsteigt, solange der Grundkonsens der Analysten noch negativ ist, und dann abwartet, bis dieser nach und nach ins Positive dreht. Die sukzessiven Heraufstufungen könnten die Notierungen dann beflügeln und dem Anleger eine Outperformance bescheren. Nur wer erfolgreich vom Konsens abweicht, kann Mehrwert schaffen. Die Firmenanalysen sind in erster Linie als Quelle für Sachinformationen und Umsatz- und Gewinndynamik zu verstehen. Anleger müssen selbst entscheiden, wann sie was kaufen oder verkaufen. Für den langfristigen Anlageerfolg ist ein regelbasiertes Risikomanagement unerlässlich. Denn schon Perikles wusste „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein“.

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