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Dax-Chart auf der Anzeigentafel der Frankfurter Börse. Der deutsche Leitindex erlebte in den vergangenen Wochen gleich mehrere Einbrüche.  | © Getty Images

Vermögensverwalter Stephan Albrech „Aktienmarkt holt Luft für den letzten Schwung nach oben“

Stephan Albrech

Mit der Zeit bekommt der Markt jeden weich: Wer vor fünf Jahren noch überzeugter Aktien-Abstinenzler war, setzt wegen kollabierender Zinsen nun vielleicht doch auf Dividenden. Motto: „Woanders bekomme ich eh nichts für mein Geld – also Augen zu und durch!“ Nun ist es niemals verkehrt, einen Teil seines Vermögens in gute Unternehmen zu investieren. Doch besonders engagieren sollte man sich am Aktienmarkt vor allem dann, wenn sich ein Abwärtstrend in einen längerfristigen Aufwärtstrend wandelt.

Die schlechtesten Aktienmonate

Das war nach dem Ausverkauf im Jahr 2009/2010 der Fall, dann 2012 und noch einmal 2016. Doch damals hatten nur wenige den Mumm, das Depot ordentlich mit Aktien zu bestücken. Anders sah die Sache nach dem Rally-Jahr 2017 aus, als viele Anleger Geld in Aktienfonds steckten. Leider wartet der Großteil derer, die 2018 eingestiegen sind, noch immer auf grüne Zahlen. Vor allem die beliebten Deutschland- und Europa-Fonds liegen wie Blei im Depot.

Gleichwohl sind wir kurz- bis mittelfristig optimistisch gestimmt. So ist die aktuelle Schwäche nach unseren Auswertungen nichts Ungewöhnliches, denn August und September tendieren meist zu Kursverlusten. Handelsstreit oder bevorstehender Brexit hin oder her: Der August ist seit Jahrzehnten, vermutlich wegen der Urlaubszeit und dem dadurch bedingten dünnen Handel, der zweitschlechteste Monat des Börsenjahres. Und im September durchkämmen die Portfoliomanager gerne den Bestand und sortieren die Verlierer aus, um am Jahresende gut dazustehen. Das macht den September in den tonangebenden USA zum Top-Verlierermonat seit dem Jahr 1950!

(Vor-)Wahljahr lässt für Aktien Gutes erwarten

Es gibt aber auch gute Nachrichten, denn nach dem Nervengezerre im Spätsommer beginnt die beste Börsenphase des Jahres. Sie dauert von Mitte Oktober bis zum Mai und sorgte über die Jahrzehnte nachweislich für den Großteil der Kursgewinne. 2019 kommt verstärkend hinzu, dass wir es mit einem Vorwahljahr für die US-Präsidentschaftswahl zu tun haben: Diese Vorwahljahre fallen an den Börsen in der Regel stark aus und 2019 erweist sich bisher als ein besonders erfreuliches Exemplar. Daher halten wir es für wahrscheinlich, dass die Aktienmärkte nach der saisonalen Schwäche ab Oktober/November kräftig nach oben ziehen und bis Frühjahr/ Sommer 2020 für zufriedene Gesichter bei den Aktionären sorgen.

Herrscht also nur eitel Sonnenschein? Leider nicht, denn hinter dem heiteren Ausblick türmen sich die ersten Wolken auf. Ein wichtiger Faktor für Pessimismus bei Aktien ab dem Herbst 2020 ist aus unserer Sicht die Entwicklung des Goldpreises. Wir erwarten auf Sicht der nächsten Jahre eine größere Hausse für das Edelmetall. Kommt aber Gold dauerhaft in Fahrt, dann sieht es für Aktien mau aus – das zeigen unsere Auswertungen seit Freigabe des Goldpreises im Jahr 1971. Der zweite Faktor ist die Zinsstruktur, die in den USA inzwischen zum zweiten Mal in negatives Terrain dreht. Ist dies der Fall – liegen die kurzen also über den langen Zinsen –, kam es bislang mit zeitlichem Abstand stets zu einer Rezession und einem Abschwung am Aktienmarkt.

Fazit

Auf Sicht der nächsten zwölf Monate rechnen wir mit steigenden Aktienkursen. Dies dürfte jedoch der letzte Aufwärtsschwung in dieser langen Hausse sein. Ab dem Sommer/Herbst 2020 sollten sich Anleger darauf einstellen, dass es (sehr) ungemütlich wird.

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