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Bafin warnt Anlage bei Neo-Brokern ist nie kostenlos

Wer über Online-Portale oder die Trading Apps sogenannter Neo-Broker Geld anlegt, zahlt dafür sehr wohl etwas – auch wenn einige Anbieter behaupten, dass ihr Angebot kostenlos sei. Das betonen die Bafin-Mitarbeiter Lars Fröhlich und Jan Lembach. Für einen Beitrag im aktuellen Bafin-Journal (Ausgabe Juni 2021) haben sie sogenannte Neo-Broker unter die Lupe genommen, also Anbieter von Anlageplattformen, die relativ frisch am Markt sind und regelmäßig mit besonders günstigen Gebühren werben – dafür jedoch gegenüber klassischen Online-Anlage-Angeboten oft auch nur eingeschränkte Leistungen bieten.

Vor allem bei den Kostenversprechen sollten die Kunden aufmerksam hinsehen, raten die Bafin-Experten: „Der Neo-Broker selbst mag zwar von seinen Kunden keine Gebühren verlangen. Es entstehen aber auf jeden Fall Kosten, nur an anderer Stelle.“ Kunden müssten auf jeden Fall die Transaktionskosten tragen. Diese werden ihnen nicht vom Broker selbst, sondern vom sogenannten Market Maker berechnet.

Der Market Maker sorgt dafür, dass der Handel an einem Handelsplatz funktioniert: Er kauft Kunden Wertpapiere ab und verkauft sie anderen Kunden weiter, oder er beschafft die Papiere von dritter Seite. Aus der Spanne zwischen Ankauf- und Verkaufskurs erwirtschaftet er eine Marge – von der wiederum der Neo-Broker einen Teil abbekommt. Der hat ihm ja die Kunden zugeleitet.

Die Bafin-Experten warnen nun: Die Transaktionskosten lägen gerade dann besonders hoch, wenn Anleger ihre Handelsgeschäfte außerhalb der regulären Börsengeschäfte abschlössen.

Nun sind jedoch auch Neo-Broker gesetzlich zu Transparenz verpflichtet. Jegliche Vergütungen müssen sie ihren Kunden gegenüber offenlegen. Zudem müssten sie die Rückvergütungen der Market Maker vollständig dafür verwenden, ihre Dienstleistung gegenüber den Kunden verbessern, erinnert man bei der Bafin. Mifid II lässt grüßen. Kunden können bei genauerem Hinsehen also durchaus durchschauen, wohin das Geld fließt und wer hier wen bezahlt.

Eine andere Maßgabe ist, dass Kundenaufträge stets im bestmöglichen Interesse der Kunden auszuführen seien. Hier können Unterschiede nach außen hin schon weniger ersichtlich sein. Wenn die Broker-Unternehmen entscheiden, an welchen Handelsplatz oder welchen Market Maker sie Kundenaufträge weiterleiten, sollten sie sich dabei nicht an der Höhe der Rückvergütung orientieren, mahnen die Finanzaufseher. Jegliche Auswahl für Kunden sollte zudem so präsentiert werden, dass der Kunde die für sich beste Wahl treffen könne. Bei Verstößen könne die Bafin zwar einschreiten – allerdings nur, solange der Broker seinen Sitz in Deutschland habe, räumt man bei der Behörde ein.

Das gängige Niedrigpreis-Modell von Neo-Brokern bringe es mit sich, dass Kunden dort meist nur ein eingeschränktes Dienstleistungsangebot hätten, heißt es weiter von den Bafin-Experten. Es stünden weniger Handelsplätze zur Auswahl und oft auch weniger Möglichkeiten, Aufträge mit Bedingungen zu versehen, etwa Limit- oder Stop-Loss-Orders zu erteilen.

In ihren abschließenden Tipps raten die Bafin-Experten zudem, dass Anleger bei der Nutzung von Neo-Broker-Apps Vorsicht walten lassen sollten: „Lassen Sie sich nicht von Kaufentscheidungen anderer Marktteilnehmer oder der Gestaltung der Trading-App zum Handel verleiten.“

Neo-Broker wie Trade Republic, Smart Broker, Just Trade – oder auch das zunächst nur als Robo-Advisor gestartete Scalable Capital – hatten zuletzt einen großen Anteil daran, dass sich hierzulande eine neue Aktien-Begeisterung beobachten lässt. Das Geschäft der Anbieter brummt. Die Nummer eins am deutschen Markt, Trade Republic, hat erst im Mai in einer gigantischen Finanzierungsrunde rund 750 Millionen Euro eingesammelt und bringt mittlerweile einen Wert von mehr als 4 Milliarden Euro auf die Waage.

Die Online-Portale und Apps der Anbieter wenden sich verstärkt mit spielerischen Elementen an ihre Kunden. Kritiker bemängeln, dass Neo-Broker vor allem spekulativ orientierte Anleger ansprächen.

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