Ebase-Umfrage

Mehrheit der Vermittler hält nichts von neuen Kostentransparenzregeln

CaptionRudolf Geyer
Foto: Ebase

Die europäische Richtlinie Mifid II hat ihr Ziel, Anlegern die Kosten von Investments klar vor Augen zu führen, verfehlt – und zwar deutlich. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der B2B-Direktbank Ebase unter deutschen Finanzprofis. 85 Prozent der Vermittler gaben zu Protokoll, dass die geforderten neuen Kostenausweise vor einem Investment („ex ante“) und nach Ablauf eines jeden Kalenderjahres („ex post“) von Kunden gar nicht zur Kenntnis genommen würden oder statt Aufklärung eher für mehr Verwirrung sorgten. Lediglich rund 15 Prozent der Befragten fanden, dass Kunden jetzt besser informiert seien als vor Start der Mifid II.

Ebase-Spezialist Rudolf Geyer glaubt den Grund zu kennen, warum der Realitätscheck dem ursprünglichen Ziel, mehr Transparenz zu schaffen, nicht standhält: „Bisher hat sich noch kein klarer Marktstandard für die Kosteninformationen etabliert“, kritisiert der Sprecher der Ebase-Geschäftsführung. Der Umfang an Informationen, die ein Investment mittlerweile begleiteten, könnte einen Durchschnittskunden überfordern.  „Transparenz ist immer zu begrüßen, aber das Format muss von den Kunden angenommen werden und auch einen praktischen Nutzen stiften“, so Geyer.

Einschätzungen von 137 Vermittlern auf die Frage „Wie bewerten Sie die Erfahrungen Ihrer Kunden in Bezug auf die Ex-ante- und Ex-post-Kosteninformation?“; Quelle: Ebase, November 2019

Insgesamt hoffe er, dass nachgelagerte Instanzen wie Wirtschaftsprüfer oder die Bafin, wenn sie die Ex-ante- und Ex-post-Berichte zu Gesicht bekommen,  bei der Beurteilung der praktischen Umsetzung den Ursprungsgedanken, nämlich den Anlegerschutz, nicht aus den Augen verlören. Ansonsten könnten Finanzakteure wie Anleger den Eindruck gewinnen, die Richtlinie sei „reiner Aktionismus des Gesetzgebers“ mit „begrenztem praktischen Nutzen“ – womit Geyer einen häufig geäußerten Vorwurf der Branche in eine indirekte Formal verpackt.

Für ihre „Vermittler-Fokus-Umfrage“ befragte man bei Ebase online insgesamt 137 eigene Vertriebspartner.

nach oben