Robert Halver (Kolumnist)Lesedauer: 5 Minuten

Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver „Gott gibt nach, Donald Trump nie“

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Damit könnte Amerika sogar wieder in den „Genuss“ einer restriktiven US-Geldpolitik kommen. Auch angesichts der biblischen Verschuldung wären dann selbst die bis dato nicht tot zu kriegende US-Konjunktur und amerikanische Aktien gefährdet.

Ein schwacher Aktienmarkt ist noch keinem US-Präsidenten gut bekommen. Vorsorglich hat der US-Präsident bereits die Fed für ihre strengere Zinspolitik kritisiert. Er denkt wohl, der von ihm ernannte US-Notenbankpräsident wäre sein Vasal, der die Zinsen zu senken habe.

Trump öffnet hier die Tür für massive Stabilitätsrisiken. Die großen Notenbanken könnten in den Schlamassel des Handelskonflikts hineingezogen werden. Dann werden sie einerseits gedrängt, im Sinne eines Abwertungswettlaufs die Importzölle mit geldpolitisch gedrückten Exportwährungen möglichst zu kompensieren. Tatsächlich hat die chinesische Währung seit April 2018 schon um über acht Prozent gegenüber US-Dollar abgewertet. Würde jedoch Inflationsbekämpfung gegenüber Außenhandelsförderung links liegengelassen, wären galoppierende Preise die Folge. Andererseits müssten sie wirtschaftsstabilisierende Konjunkturprogramme durch ihre Notenpressen hemmungslos finanzieren. Die weltweite Schulden-Apokalypse würde noch dramatischer.

Wird aus Saulus Trump doch noch ein Paulus?

Protektionismus ist der perfekte Dünger für weltweite Stagflation: Schwache Wirtschaft bei steigenden Preisen. Die internationale Arbeitsteilung aufzugeben ist nicht nur dumm, sondern saudumm. Dann könnte man moderne Industrietechnik auch durch die Dampfmaschine ersetzen.

Von allen Seiten wäre es weise, konstruktive Handelsgespräche ohne Vorbedingungen zu führen. Hier lässt ein Tweet Trumps aufhorchen: Er schlägt vor, dass zwischen Europa und den USA alle, wirklich alle Handelszölle und Subventionen fallen. Darauf sollte die EU sofort eingehen. Trump könnte vor seine Wähler treten und sagen, ich habe die EU gebändigt. Gönnen wir ihm diesen Triumph. Hauptsache, die Exportmärkte in den USA bleiben grundsätzlich offen.

Leider hat die Sache zwei Haken. Erstens ist die Lebensdauer von Trumps Aussagen geringer als die einer Eintagsfliege. Und zweitens ist es fraglich, ob Kater Trump das Mausen lässt, d.h. ob er seine Selbstverliebtheit und -bewunderung der guten handelspolitischen Sache auch zum Wohle Amerikas aufgibt.

Immerhin, die stabilen Aktienmärkte signalisieren früher oder später eine Handelseinigung. Wie lautet doch das feste Glaubensbekenntnis der Börsen: Die Märkte haben immer Recht. Aus einer weltlichen Perspektive kann man aber noch die November-Wahl abwarten.

Autor Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse der Baader Bank in Frankfurt.

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