Modern Monetary Theory Wie die MMT traditionelle Finanzmarkt-Thesen über den Haufen wirft

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Wenn am Schluss als Saldo aus Ausgaben und Einnahmen ein Defizit herauskommt, ist das nach Ansicht der MMT kein Weltuntergang. Im Gegenteil. Es ist in einer wachsenden Wirtschaft notwendig, weil sonst nicht genügend Geld da ist, um die Expansion zu finanzieren. Die Austeritätspolitik, die in Europa so wichtig ist, ist in den Augen der MMT wachstumsfeindlich und deflationär. Im Übrigen haben die Vertreter der Theorie vor allem Situationen im Blick, in denen keine Vollbeschäftigung herrscht. Also Rezessionen, Wirtschaftskrisen oder wenn es aus demografischen Gründen eine säkulare Stagnation gibt.

Die Zinsen können durch höhere Defizite nicht steigen. Denn zusammen mit den größeren Fehlbeträgen nimmt die Geldmenge zu. Das alimentiert den Kapitalmarkt. Die Vertreter der MMT verweisen als empirisches Beispiel auf die Zeit nach der Großen Finanzkrise 2008/2009, als die öffentlichen Defizite drastisch nach oben gingen, die Zinsen aber gleichzeitig auf neue Tiefstände sanken. Auch Japan hat hohe Defizite, eine geringe Preissteigerung und niedrige Zinsen.

Die Zentralbanken spielen in dem Modell keine Rolle. Sie sind Teil des Staatssektors. Ihre Unabhängigkeit ist kein Thema. Sie können die Zinsen letztlich beliebig festsetzen. Ein Paradox ist, dass höhere Zinsen per Saldo expansiv wirken. Denn bei höheren Zinsen erhöht sich der Schuldendienst des Staates, seine Ausgaben steigen und es wird mehr Geld geschaffen. Nach der gleichen Logik sind niedrige Zinsen wachstumsfeindlich.

An der MMT scheiden sich die Geister

Politisch spielt die Theorie eine zunehmende Rolle. In den USA hat sie Anhänger vor allem bei den Demokraten. Diese begründen damit beispielsweise, dass die von ihnen geforderten Infrastrukturinvestitionen oder zusätzlichen Ausgaben im Gesundheitswesen keine negativen Effekte für die Inflation haben. Ihr früherer Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders und die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez sind wichtige Vertreter der MMT. Beraterin von Sanders ist Stephanie Kelton, einer der besten Köpfe der MMT. In Großbritannien liebäugelt die Labour Party mit der neuen Theorie.

In Europa spielt die MMT bisher keine größere Rolle. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es in der Währungsunion keinen Staat gibt, der durch seine Ausgaben die Geldmenge bestimmt. Die Vertreter der MMT plädieren daher auch für einen europäischen Finanzminister, der für die Staatsausgaben im Euroraum verantwortlich ist.

Die Stärke der MMT besteht darin, dass sie wichtige Erkenntnisse, die heute Allgemeingut sind, in Frage stellt. Sie zwingt, eingefahrene Positionen zu überdenken. Die Schwäche ist, dass die Dynamik des Privatsektors als wichtigstem Wachstumstreiber in den Modellen nicht vorkommt. Es ist immer nur vom Staat die Rede. Die ohnehin schon hohe Staatsquote wird durch MMT noch weiter steigen. Zudem gibt es niemanden, der den Staat bremsen kann, wenn er seine Ausgaben stärker erhöht und damit Inflation schafft.

Für den Anleger

Aus der Modern Monetary Theory ergeben sich direkt keine Anlageempfehlungen. Schauen Sie sich die Theorie trotzdem an. Dann wissen Sie, welche Argumente in Zukunft auf Sie zukommen könnten. Nur glauben dürfen Sie nicht alles, was dort gesagt wird.

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