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ETF-Anbieter klinkt sich in Vergütungsdebatte ein
„Vanguard begrüßt ein Provisionsverbot“
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ETF-Anbieter klinkt sich in Vergütungsdebatte ein „Vanguard begrüßt ein Provisionsverbot“

Geschäftsgespräch
Geschäftsgespräch: Die EU-Kommission denkt über ein europaweites Verbot von Vertriebsprovisionen beim Verkauf von Finanzprodukten nach. | Foto: imago images/agefotostock

In die Debatte um ein mögliches europaweites Provisionsverbot im Finanzvertrieb hat sich die Fondsgesellschaft Vanguard eingeklinkt. „Vanguard begrüßt ein Provisionsverbot in ganz Europa, um dadurch Interessenskonflikte in der Fondsbranche aufzulösen“, lässt sich Sebastian Külps, Leiter Deutschland und Nordeuropa, zitieren. Europäische Vertriebsunternehmen bezögen seiner Ansicht nach zu hohe Vergütungen durch produktauflegende Gesellschaften. „Ein Provisionsverbot würde die Kosten für Anleger deutlich senken und zugleich mehr Transparenz schaffen – Großbritannien und die Niederlande sind hier bereits Vorreiter“, meint Külps.

Diese Meinung ist in Deutschland durchaus nicht Konsens. Im Gegenteil dürften die Äußerungen von Külps in weiten Teilen des Finanzvertriebs eher Abwehrreflexe hervorrufen. Als Position aus dem Hause des nach Blackrock zweitgrößten Fondsanbieters der Welt sorgt die Aussage dennoch für Aufmerksamkeit.

Der Vanguard-Manager bezieht sich auf eine seit Ende vergangenen Jahres hierzulande schwelende Debatte: Die EU-Kommission denkt darüber nach, ein verbindliches Provisionsverbot in allen Mitgliedsstaaten auszusprechen. Bisher gibt es im Finanzvertrieb keine solche Regelung. Lediglich die Niederlande und das aus der EU ausgeschiedene Vereinigte Königreich haben ein Provisionsverbot im nationalen Finanzvertrieb verhängt.

 

Die Befürworter eines Provisionsverbots argumentieren vor allem mit dem möglichen Interessenkonflikt, in den die Provisionsvergütung Berater bringen würde: Wer Geld für den Produktverkauf erhält, verkaufe mit Vorliebe solche Produkte, die ihm selbst besonders viel einbringen, so der Vorwurf. Provisionsbefürworter wiederum kontern mit der in Deutschland lange etablierten Praxis, die kaum zu Beschwerden geführt habe. Ohne die Rückvergütungen der Fondsgesellschaften, so die Argumentation dort, müssten Verbraucher für Beratung gesondert zahlen – was sich viele nicht leisten könnten. In der Folge wäre das Gros der Menschen von der Finanzberatung ausgeschlossen.

In Deutschland wird das Thema besonders emotional diskutiert, beruht doch ein Großteil der hiesigen Geschäftsmodelle von Beratern auf Rückvergütungen – sowohl im Banken- als auch im bankenunabhängigen Vertrieb. Fondsgesellschaften haben sich darauf eingestellt. 

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Für Vanguard wäre Provisionsverbot neutral

Die US-Gesellschaft Vanguard streckt seit einigen Jahren verstärkt ihre Fühler nach Europa, darunter auch in den deutschen Markt aus. Sie ist in der Provisionsdiskussion jedoch genau genommen nur ein Beobachter: Vanguard vertreibt vor allem Indexfonds und ETFs. Bei deren Verkauf fließt keine Rückvergütung an den Vertrieb.

Was vielen Branchenteilnehmern als störend bis bedrohlich für die beruflich Existenz erscheint, dem kann Vanguard mithin entspannt entgegensehen: Für die Gesellschaft mit Stammsitz in Malvern, Pennsylvania würde sich unter einem möglichen Provisionsverbot im Vertrieb nichts ändern.

Mit Blick auf viele Wettbewerber, deren Geschäftsstrukturen sich stark auf das Rückvergütungsmodell stützen, wäre Vanguard unter einem solchen Verbot sogar zunächst in einem Vorteil – jedenfalls so lange, wie Wettbewerber benötigen, um ihre Prozesse an die neue Regulierung anzupassen.

In der Debatte um ein Provisionsverbot im Finanzvertrieb sind die Fronten in Deutschland deutlich abgesteckt: Rückenwind erhält das Verbotsthema durch Verbraucherschutzverbände sowie auf politischer Ebene durch die Bundestagsfraktion Die Grünen. Auch im honorarbasierten Finanzvertrieb, dessen Teilnehmer in Deutschland bislang in der Minderheit sind, stößt das Thema naturgemäß auf Gegenliebe. Gegen ein Provisionsverbot argumentieren neben mehreren Beraterverbänden auch Abgeordnete der FDP, darunter Finanzminister Christian Lindner, sowie Vertreter der CDU. 

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