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in Kommentare der RedaktionLesedauer: 4 Minuten

Wachtendorf-Kolumne Depot-Check: Leichen, Dinosaurier und ein Must-have

DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf
Trennt sinnvolle von gefährlichen und überflüssigen Depot-Bestandteilen: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. | Foto: DAS INVESTMENT

Und wieder eine Depotleiche weniger. So lautete vermutlich der Stoßseufzer jener Anleger, die noch auf Restbeständen des seit 2011 in Abwicklung befindlichen Rendite-Killers TMW Immobilien Weltfonds saßen. Zum Stichtag 28. Dezember 2022 wurden sie vom Anblick des am Schluss mit lediglich 25 Cent pro Anteil zu Buche stehenden Papiers erlöst. Schon im Sommer 2022 hatte sich mit dem Morgan Stanley P2 Value ein weiterer ursprünglich offener und dann über Nacht verbarrikadierter Immobilienfonds verabschiedet, der seinen eingesperrten Käufern anschließend eine Dekade lang Verlustjahr um Verlustjahr bescherte.

Bei anderen Fonds-Leichen nimmt das Leiden derweil kein Ende. Allen voran beim einst 6 Milliarden Euro schweren CS Euroreal. Die rund 350 Millionen Euro, die von der Konkursmasse übrigblieben, ruhen nach dem Verkauf der letzten Bestandsimmobilien im Dezember 2019 und diversen eher halbherzigen Ausschüttungen weiter als Liquiditätsreserve auf Konten der abwickelnden Commerzbank. Und mehren deren Provisionseinnahmen. Ein Skandal, gegen den die Aktivisten der Plattform „Fair Deal für CS-Euroreal-Anleger“ zu Recht ihre Stimme erheben.

Vielleicht sollte die Bafin als zuständige Aufsichtsbehörde da tatsächlich wie gefordert einmal etwas genauer hinsehen. Vor allem aber sollten jene Anleger, die sich noch immer für das Konstrukt offene Immobilienfonds begeistern lassen und inzwischen neuen Favoriten wie dem ausschließlich am Standort München aktiven Catella Max oder dem Leading Cities Invest huldigen, ihr Handeln reflektieren. Sind die genannten Produkte – und andere – tatsächlich Kaufkandidaten für die nächsten, von vermutlich ähnlich hoher Inflation wie 2022 gekennzeichneten Jahre? Nicht nur von meiner Seite ein klares Nein.

Gleiches galt lange Zeit auch für ein anderes Investment-Konstrukt, nämlich Rentenfonds. Zu Recht, wenn man sich die jüngsten Fünf-Jahres-Ergebnisse anschaut: In der Kategorie „Staatsanleihen Euro“ gibt es keinen einzigen Fonds, der seit Anfang 2018 ein positives Ergebnis erzielt hat, und schon ab Rang 31 (von 126) werden die Verluste zweistellig. In anderen Regionen und Währungen kann wie beim Mainfirst Emerging Markets Credit Opportunities oder beim Allianz Dynamic Asian High Yield Bond das Minus auch schon mal 50 Prozent oder mehr betragen.

Lohnt sich dort nun wieder der Einstieg, wie es vielerorten plötzlich heißt? Ganz sicher nicht bei noch immer milliardenschweren Dinosauriern wie Uni-Euro-Renta oder Allianz Euro Rentenfonds, deren Manager nahezu ausschließlich Staatsanleihen aus der Eurozone kaufen. Vielleicht kann sich noch jemand erinnern: Anfang der 90er Jahre gab es hitzige Diskussionen, ob derartige Fonds nicht per se überflüssig sind. Damals waren Bundesschatzbriefe die große (und meist sinnvollere) Konkurrenz, heute sind es kostengünstige ETFs. Oder für alle, die im aktuellen Umfeld jedem Zinsrisiko aus dem Weg gehen wollen, das Tagesgeldkonto bei der Direktbank. Vereinzelt steht dort bereits wieder eine Zwei vor dem Komma.

Bei einer Inflationsrate von 7 oder 8 Prozent reichen 2 Prozent nicht zum Vermögenserhalt, schon klar. Eine Anlageform bleibt deshalb im Depot auch 2023 unverzichtbar: Aktienfonds. Ob als ETF oder aktiv gemanagt und in welchem Umfang, hängt von vielen Faktoren ab. Diese mit einem kompetenten Berater durchzusprechen, ist sicher kein Fehler. Das Jahr mit einem Sparplan auf einen international breit streuenden Klassiker zu beginnen, ebenfalls nicht – egal, welche Überraschungen die folgenden Monate bereithalten.

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