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Stört sich am reflexhaften Gejammer der Branche über die Bafin-Aufischt für 34f-Vermittler: Björn Drescher, Gründer und Chef der Beratungsgesellschaft Drescher & Cie. | © Drescher & Cie.

Dreschers Fondsgedanken „Der Bafin-Kompromiss für 34f-ler ist ein Salomonisches Urteil“

Ein Kompromiss, so eine alte Weisheit, ist immer dann vollkommen, wenn alle Seiten mit ihm unzufrieden sind.

Das Eckpunktepapier zur Neuordnung der Aufsicht unabhängiger Finanzanlagenvermittler und -berater nach Paragraf 34f  und 34h Gewerbeordnung (GewO) durch die Bafin und die Neufassung des Entwurfs zur Finanzanlagenvermittlungsverordnung liefern zuletzt zwar noch keine Gewissheit, wie die zukünftige Stellung und Kontrolle der freien Finanzdienstleister aussehen wird, wohl aber konkrete Vorstellungen des Gesetzgebers.

Wie in solchen Fällen nicht anders zu erwarten, hagelt es nun von verschiedenen Seiten Kritik. Den einen geht das Maßnahmenpaket zu weit, den anderen nicht weit genug. Wie immer ist dabei die Perspektive auf die Entscheidung ausschlaggebend. Ist man Betroffener, da das eigene Geschäftsmodell neu geregelt wird und man Veränderungen und Aufwände scheut? Oder ist man betroffener Wettbewerber, der um Benachteiligung besorgt um einheitliche Behandlung vergleichbarer Dienstleistungen ringt?

Das meiste bleibt beim Alten

Gelegentlich könnte ein Wechsel der Perspektive nicht nur ein größeres Verständnis für die andere Seite und die ordnungssystematische Entscheidung des Regulators mit sich bringen, sondern auch den Blick auf Opportunitäten eröffnen, die sich aus der Veränderung ergeben. Warum nicht mal als unabhängiger Berater die Beaufsichtigung durch die Bafin zukünftig mit Stolz als eigene Qualitätsverbesserung im Wettbewerb mit den Banken vor sich hertragen und zum Vorteil nutzen?

Mal ehrlich: Es hätte die unabhängigen Berater auch härter, bis hin zu einem indirekten Berufsverbot treffen können. Für sie bleibt, frei nach dem Aphorismus „Alles wird anders - aber es ändert sich nichts“, eigentlich das meiste beim Alten.

Und die schärfer regulierten Institute können sich mit dem italienischen Roman „Der Leopard“ über den De-facto-Fortbestand der Ausnahme hinwegtrösten. Dort rechtfertigt der Prinz Tancredis seine Ehe mit einer Bürgerlichen mit den Worten: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert". Den Niedergang des Adels kann er am Ende dessen ungeachtet auch nicht aufhalten.

Der Marktanteil und die demographische Überalterung der freien Beraterschaft sprechen von einer weisen Entscheidung, mit der alle leben können müssten.


Über den Autor:
Björn Drescher ist Gründer und Chef der Kölner Beratungsgesellschaft Drescher & Cie.

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