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Containerschiff: Rund 54.000 Anleger haben etwa 3,5 Milliarden Euro in P&R-Produkte investiert und warten nun auf ihr Geld. Denn das Geschäftsmodell weise „Merkmale eines Schneeballsystems“ auf, zitiert die Nachrichtenagentur DPA den Leitenden Oberstaatsanwalt. Von den vorgetäuschten 1,6 Millionen Containern seien nur rund 617.000 vorhanden. | © Martin Damboldt

Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs P&R-Gründer Heinz R. soll sich vor Gericht verantworten

Die Staatsanwaltschaft München I hat am Landgericht der bayerischen Landeshauptstadt Anklage gegen Heinz R. erhoben. Der Gründer der P&R-Gruppe gelte als „maßgeblicher Verantwortlicher“ der Pleite des Grünwalder Vermittlers von Container-Investments vor knapp einem Jahr. Die Ermittler werfen ihm gewerbsmäßigen Betrug in insgesamt 414 Fällen vor. Darunter sind 88 Fälle, bei denen ein „Schaden großen Ausmaßes“ verursacht worden sei, und zwölf Fälle, bei denen Steuern hinterzogen worden seien.

Das Geschäftsmodell der P&R-Gruppe bestand darin, Anlegern Frachtcontainer als Sachanlage zu verkaufen. Die Käufer vermieteten die Stahlbehälter für den Seetransport wieder zurück an P&R. Das Unternehmen vermietete die Container dann weiter an Leasinggesellschaften, welche sie per Leasingvertrag an Reedereien abgaben. Nach Ablauf der vereinbarten Mietzeit kaufte P&R die Container von den Anlegern zurück – zu einem vorher von dem Vertriebsunternehmen in Aussicht gestellten Rückkaufpreis.

Vorwurf: Nicht vorhandene Container verkauft

Die Staatsanwaltschaft geht allerdings davon aus, dass die Vertriebler der P&R-Gruppe mehr Container an Anleger verkauften, als tatsächlich vorhanden waren. Das habe dazu geführt, dass die mit dem real geringeren Ist-Bestand erwirtschafteten Einnahmen nicht ausreichten, um die auf den künstlich erhöhten Soll-Bestand fälligen Rückkaufpreise zu zahlen. Daher seien „im stetig steigendem Maße Gelder von Neuanlegern zur Auszahlung vermeintlicher Renditen an Bestandsanleger verwendet“ worden.

 

„Dadurch wuchs die Fehlbestandsquote kontinuierlich an und betrug beim Zusammenbruch der deutschen P&R-Gesellschaften im März 2018 mehr als 60 Prozent“, erklärt Anne Leiding. „Obwohl dem Angeschuldigten Heinz R. dieser Umstand bekannt war, schloss die P&R Transport-Container GmbH zum einen noch ab Februar 2017 mit jedenfalls 268 Anlegern insgesamt 414 Verträge über rund 27.000 gebrauchte Container“, so die Münchner Oberstaatsanwältin in einer Pressemitteilung weiter.

Vorwurf: Anleger wurden hinters Licht geführt

Die Staatsanwaltschaft erhebt außerdem den Vorwurf, Heinz R. habe die P&R-Anleger bewusst nicht darüber aufklären lassen, dass „das Investment durch den aus der aus dem Fehlbestand resultierenden desolaten finanziellen Situation der P&R-Gruppe insgesamt mit einem Ausfallrisiko von mindestens 50 Prozent behaftet war“. Oberstaatsanwältin Leiding zieht als Fazit: „Damit entstand jedenfalls diesen 268 Anlegern ein Schaden in Höhe von mindestens 17.987.000 Euro.“

 

„Gegenstand der Anklage sind darüber hinaus Vorwürfe, die dem Steuergeheimnis unterliegen“, so Oberstaatsanwältin Anne Leiding weiter. Der Angeklagte, der die Unternehmensgruppe mit Sitz im bayerischen Grünwald von der Gründung 1975 bis 2007 und später wieder von Juli 2016 leitete, habe sich „bisher noch nicht umfassend zur Tat geäußert“. Über den Termin einer möglichen Hauptverhandlung habe das zuständige Landgericht bislang noch nicht entschieden.

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